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Tibor Zenker: Ursprünge, Wesen und Funktion des Faschismus & antifaschistische Strategien

Wenn wir uns dem Faschismus analytisch nähern wollen, so gibt es zunächst zwei Betrachtungsgegenstände. Nämlich einerseits den Faschismus an der Macht, d.h. die faschistische Diktatur, und andererseits die faschistischen Bewegungen, unabhängig davon, ob und wie sie gegebenenfalls an die Macht gelangen. Hier soll es vor allem um den Faschismus als Herrschaftsform gehen sowie um antifaschistische Aufgabenfelder, Ansätze und Strategien.



Zunächst muss der Faschismus einmal historisch eingeordnet werden. Tatsache ist ja einerseits, dass der Faschismus erst zu einem bestimmten Zeitpunkt auftritt, andererseits behaupten ja manche, dass die "Epoche des Faschismus" mit 1945 ein- für alle Mal zu Ende sei. Dass letzteres nicht stimmt, liegt jedoch auf der Hand, schließlich haben die faschistischen Diktaturen in Spanien und Portugal das Ende des Zweiten Weltkrieges um Jahrzehnte überdauert, andererseits wurde etwa in Chile erst 1973 eine faschistische Diktatur errichtet. Bleibt somit das Ende der "Epoche des Faschismus" vorerst offen, so stellen wir einmal die Frage nach jenem Zeitpunkt, an dem der Faschismus erstmals auftritt.

Es ist dies der Fall im Gefolge des Ersten Weltkrieges, etwa um 1920. Unter welchen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen also? Unter jenen des Kapitalismus. Das ist aber noch nicht weiter bemerkenswert, denn der Kapitalismus ist seit Jahrhunderten in Europa vorherrschend und hat sehr unterschiedliche Herrschafts- und Staatsformen erlebt: eine Kausalbeziehung ergibt sich daraus noch nicht zwingend.

Doch wir können die historische Einordnung nach der ökonomischen Grundlage noch präzisieren, denn der vormonopolistische Kapitalismus, der so genannte Kapitalismus der freien Konkurrenz, kannte den Faschismus noch nicht, d.h. daher genauer, dass der Faschismus erst im monopolistischen Stadium des Kapitalismus, im Imperialismus auftritt. Dieser Übergang vom klassischen, "liberalen" Konkurrenzkapitalismus zum Monopolkapitalismus fand im Wesentlichen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts statt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben verschiedene Ökonomen versucht, dieses neue Stadium des Kapitalismus analytisch zu erfassen, als erster, dem dies auch einigermaßen geglückt ist, wäre der Österreicher Rudolf Hilferding zu nennen. Dessen Schrift "Das Finanzkapital" erschien 1910.

Die Herausbildung des Monopolkapitalismus

Heute wird - und in den vergangenen Jahrzehnten wurde - in der Regel immer von einer Imperialismustheorie Lenins gesprochen, egal ob positiv oder negativ darauf Bezug genommen wird. In der Tat ist es so, dass Lenin in den Jahren 1916 und 1917 die vorliegenden Arbeiten marxistischer wie nicht-marxistischer Autoren einer recht umfassenden Betrachtung unterzog, ausgiebig statistisches Material aus unverfänglichen Quellen auswertete - und auf dieser Basis schließlich im Sommer 1917 als erster eine umfassende systematische Theorie des Monopolkapitalismus vorlegen konnte. Lenin schreibt in seiner zentralen Definition: "Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist." [LW 22, S. 271] - Hier stecken also fünf Punkte drinnen: 1. kraft der kapitalistischen Akkumulation, der Konzentration und Zentralisation des Kapitals, erfolgt eine Monopolisierung in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen, d.h. die Herausbildung und ökonomische Vorherrschaft der Großkonzerne bei dem gleichzeitigen, permanenten Ruin der kleinen und mittleren Unternehmen; 2. Bedeutungssteigerung der Banken und Versicherungen: auch hier gibt es einen Monopolisierungsprozess, das industrielle Monopolkapital und das monopolistische Bankkapital verwachsen, technisch in der Regel über Aktienaustausch und personelle Überschneidungen, zum so genannten Finanzkapital; 3. gegenüber dem Warenverkehr gewinnt der Kapitalverkehr an Bedeutung; 4. und 5. die Monopolgruppen der einzelnen staatlichen Großmächte, d.h. der staatlich getrennten Imperialismen, stehen in globaler Konkurrenz, sie kämpfen um Rohstoffzugriffe, Marktsphären, billige Arbeitskräfte und Investitionsmöglichkeiten; mit dieser ökonomischen Konkurrenz der Monopole ist eine politische Konkurrenz der imperialistischen Großmächte verknüpft, egal ob diese Gegensätze auf "diplomatischen" Wegen oder mit militärischen Mitteln ausgetragen werden.

Was hat dies nun mit dem Faschismus zu tun? Im 1. Punkt der Leninschen Imperialismustheorie ist die Herausbildung der Monopole, ja die ökonomische Vorherrschaft der Monopole vermerkt, dies ist das zentrale ökonomische Merkmal des Monopolkapitalismus. Bilden sich Monopole, so realisieren dies nicht mehr "normale" Durchschnittsprofite, sondern Monopolprofite. Das bedeutet, dass es nicht um eine einfache Herkunft des Profits aus dem Mehrwert, letztlich zulasten der Arbeiterschaft, geht, sondern die Monopole machen die gesamte Gesellschaft tributpflichtig: daher der Ruin oder ständig drohende Ruin der KMUs, der Bauernschaft, des Kleinbürgertums. Das Monopolkapital entwickelt eine ökonomische Herrschaft über alle nicht-monopolistischen Schichten der Gesellschaft. Damit einher geht zwingender Weise ein entsprechender Differenzierungsprozess innerhalb der Bourgeoisie. Der bürgerliche Staat im Monopolkapitalismus ist in diesem Sinne auch nicht mehr der Staat der gesamten Bourgeoisie, sondern vornehmlich der Staat der Monopolbourgeoisie, des Großkapitals, des Großgrundbesitzes.

Und hier finden wir tatsächlich die erste Bedingung für das Aufkommen des Faschismus, gewissermaßen seine ökonomische Grundlage. Die ökonomische Grundlage der Monopole ist die zwanghafte Aneignung von Monopolprofiten; die nicht-monopolistischen Schichten und Klassen der Gesellschaft haben im Rahmen der bürgerlichen Demokratie, im demokratischen Parlamentarismus, wenngleich begrenzte, so doch Möglichkeiten, sich gegen diese monopolkapitalistische Ausbeutung zu wehren. Das Monopolkapital ist daher bestrebt, seine ökonomische Vorherrschaft durch die politische Alleinherrschaft zu ergänzen und gleichzeitig abzusichern. Dem Monopolkapital wohnt unweigerliche und immer der Drang zu politischer Alleinherrschaft inne, das Monopolkapital ist per se reaktionär und antidemokratisch (eben im politischen Ebenbild gemäß seinem ökonomischen Wesen). Es hat immer das Interesse, die parlamentarische Demokratie zu demontieren und an ihre Stelle ein monopolkapitalistisches Diktaturregime zu stellen. Der vorhin erwähnte Hilferding hat diese Eigenschaft des Monopolkapitals (oder Finanzkapitals) auf die zentrale Formel gebracht: "Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft." - Das Monopolkapital ist in diesem Sinne in politischer Hinsicht auch die Negation zum klassischen bürgerlichen Liberalismus. Lenin schreibt darüber: "Der politische Überbau über der neuen Ökonomik, über dem monopolistischen Kapitalismus ... ist die Wendung von der Demokratie zur politischen Reaktion. Der freien Konkurrenz entspricht die Demokratie. Dem Monopol entspricht die politische Reaktion." [LW 23, S. 34]

Das ist als grundsätzliche Tendenz zu verstehen, die im Imperialismus immer gegeben ist. Insofern muss festgehalten werden, dass der Faschismus auch kein Sonderfall, kein historischer Zufall oder gar nur ein bedauerlicher "Betriebsunfall" im und des Kapitalismus ist. Nein, der Faschismus ist die äußerste Konsequenz des dem Imperialismus unweigerlich innewohnenden Drangs nach Reaktion und Gewalt, des absoluten Herrschaftsstrebens des Finanzkapitals auch in politischer Hinsicht.

Hier haben wir also, mit dem Drang zur politischen Ergänzung der ökonomischen Herrschaft der Monopole zur Sicherung der monopolistischen Akkumulation, die erste und zentrale Voraussetzung für das Aufkommen des Faschismus, seine ökonomische Grundlage. Auf dieser Grundlage besteht das dem Imperialismus unweigerlich immanente reaktionäre und antidemokratische Streben des Finanzkapitals, seine Macht unbegrenzt auszudehnen, nach politischer Alleinherrschaft. Es handelt sich um die grundsätzliche Tendenz, alle gesellschaftlichen Sphären der staatsmonopolistischen Formierung zu unterwerfen, um dadurch die maximale Konzentration und Zentralisation aller ökonomischen und politischen Potenzen zu erreichen (im nicht-faschistischen Imperialismus bedeutet dies den ständigen Versuch, die Exekutive aufkosten der Legislative zu stärken). Dies ist die erste Wurzel, dies ist die Grundvoraussetzung des Faschismus.

Neben dieser Grundvoraussetzung bedarf es jedoch unweigerliche weiterer, unmittelbarer Vorraussetzungen für das Aufkommen des Faschismus, denn es nimmt dieser Drang zu Reaktion und Gewalt ja 1. nicht andauernd, und 2. erst zu einem späteren historischen Zeitpunkt, als sich der Imperialismus herausgebildet hat, auch tatsächlich die faschistische Form an. Und diese unmittelbaren Voraussetzungen entspringen der allgemeinen Krise des Kapitalismus. - Was ist darunter zu verstehen?

Die allgemeine Krise des Kapitalismus

In dieses Stadium seiner allgemeinen Krise tritt der Kapitalismus mit dem Ersten Weltkrieg ein. Diese allgemeine Krise, die nun nicht eine Sammlung von Krisenerscheinungen am einen oder anderen Ende des Systems, sondern die existenzielle und allseitige Krise des kapitalistischen Systems selbst darstellt, hat ihre Voraussetzungen im Anwachsen der Widersprüche des Imperialismus. Es geht, gemäß Punkt 5 in Lenins Imperialismustheorie, um die äußerste Zuspitzung der Gegensätze innerhalb des imperialistischen Blocks, wo die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der einzelnen Länder zu direkten Zusammenstößen führt, in letzter Konsequenz zu verheerenden Weltkriegen in dieser damit begonnenen "Periode der Weltkriege", wie Rosa Luxemburg sagte. Es geht um die Zuspitzung des Gegensatzes zwischen imperialistischen Zentren und abhängiger Peripherie, wo antiimperialistische Befreiungsbewegungen das klassische Kolonialsystem zu Fall bringen und in weiterer Folge auch auf progressive und mitunter nichtkapitalistische Entwicklungswege orientieren. Es geht um die Zuspitzung des Marktproblems, um strukturelle Überakkumulation, um eine durch die Konjunkturentwicklung daher nicht mehr "regulierbare", ständige Massenarbeitslosigkeit in globaler Hinsicht. Es geht um die revolutionären Bewegungen in Mittel- und Westeuropa im Gefolge und als Ergebnis des Ersten Weltkrieges, also um die Zuspitzung des Klassenkampfes. Und es geht in dieser Hinsicht vor allem um die auf die Weltbühne und in die staatspolitische Wirklichkeit getretene Systemkonkurrenz zwischen Sozialismus und Imperialismus: entscheidend für die allgemeine Krise des Kapitalismus sind die siegreiche russische Oktoberrevolution und der Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, davon ausgehend der Abfall weiterer Länder vom kapitalistischen Weltsystem und die Herausbildung einer sozialistischen Staatengemeinschaft. Dies markiert den realen Beginn der langen historischen Epoche des Übergangs der Menschheit vom Kapitalismus zum Sozialismus. - All diese Dinge erschütterten und erschüttern also den Weltkapitalismus in zuvor ungekanntem Ausmaß. Diese Erschütterungen beschleunigten die Herausbildung der staatsmonopolistischen Phase des Imperialismus und sind in mehrfacher Hinsicht unmittelbare Voraussetzung für das Aufkommen des Faschismus.

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht für manche so erscheinen mag, als würde mit dem Faschismus eine vornehmliche Defensivstrategie des Kapitals bestehen - und zumindest die Ausgangsposition der Bourgeoisie am Ende des Ersten Weltkrieges war tatsächlich eine defensive -, so wäre es dennoch grundfalsch, den Faschismus darauf zu reduzieren. Schlussendlich besteht die faschistische Zielsetzung seitens der Monopolbourgeoisie darin, aus der Defensivposition wieder in die Offensive zu gelangen, sowie auch ganz grundsätzlich und von vornherein offensive Elemente gegeben sind. Der Faschismus ist gewissermaßen immer beides: Defensive und Offensive, ein Zeichen der Schwäche der Bourgeoisie und ein Zeichen der Stärke.

Das jeweilige Verhältnis von offensiven und defensiven Zielsetzungen und Bestrebungen variiert von konkretem Fall zu konkretem Fall, von Situation zu Situation - dies ist bereits ein klares Indiz, dass eine Faschismustheorie schlussendlich nicht ein Ordnungsschema mit im "naturwissenschaftlichen Sinn" messbaren Abgrenzungen liefern kann und soll, sondern dass sie anhand qualitativer Grundeigenschaften eine Anleitung zur konkreten Einzelanalyse sein muss.

Die Grundbestimmung der faschistischen Diktatur

Eine solche Grundbestimmung nahm der Bulgare Georgi Dimitroff 1935 mit der folgenden Charakterisierung vor: "Der Faschismus an der Macht ... ist ... die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, der am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals."

Tatsächlich sind die wesentlichen Grundmerkmale des Faschismus in diesem einen Satz enthalten, sein Wesen, seine Ziele und seine Funktionen sind hier markiert und präziser ableitbar. Nämlich: Die faschistische Herrschaft ist erstens methodisch eine offene, im Gegensatz zur verdeckten des bürgerlich-demokratischen Parlamentarismus, und terroristische, im Gegensatz zur rechtsstaatlichen des Liberalismus, klassenspezifische Diktatur. Zweitens ist ihre weitere Ausrichtung aufgrund ihres finanzkapitalistischen Klassencharakters a) besonders reaktionär, d.h. antidemokratisch und repressiv bis zur Vernichtung vor allem gegen die revolutionäre, aber selbst gegen die reformistische ArbeiterInnenbewegung; sie ist b) besonders chauvinistisch, d.h. sie maximiert die nationale Unterdrückung, appelliert an den niveaulosesten Nationalismus und impliziert oft rassistische Elemente; und sie ist c) besonders imperialistisch, d.h. sie steht für Aggression nach außen, für Militarismus und Krieg, letztlich im Sinne des imperialistischen Kampfes um die globale Hegemonie.

Systematisieren wir nochmals diese Grundmerkmale:

1. Der Faschismus als besondere bürgerliche Herrschaftsform ist nicht die Herrschaft der gesamten Bourgeoisie. Gemäß dem inner-bourgeoisen Differenzierungsprozess, der mit der Herausbildung des Imperialismus einhergeht, ist der Faschismus die Diktatur des Finanzkapitals. Dies ist der spezifischere Klassencharakter des Faschismus. Es gilt dies ja auch für den Imperialismus unabhängig seiner Form: der heutige bürgerlich-"demokratische" Parlamentarismus ist die verschleierte, aber dennoch die klassenmäßige Herrschaft, durchaus auch die Diktatur des Monopol- oder Finanzkapitals. Der Faschismus ist demgegenüber die offene Diktatur, er ist die Fortsetzung des Imperialismus mit anderen Mitteln. - Das ist ganz wesentlich, der Faschismus steht nicht irgendwie als Sonderfall außerhalb der Geschichte, der nicht fassbar wäre, sondern ganz im Gegenteil.

2. Der Faschismus hat bestimmte Zielsetzungen und Funktionen. Die erste Zielsetzung ist nicht nur die Unterdrückung, sondern die Vernichtung der revolutionären Arbeiterbewegung, nebenbei geht es auch um die Ausschaltung der Sozialdemokratie. Beides dient der Monopolisierung der politischen Macht, egal ob dies nun in Form eines Ein-Parteien-Systems oder in Form eines angeblichen "Ständestaates" etc. geschieht. Diese offene politische Diktatur soll der monopolkapitalistischen Ausbeutung zunächst der eigenen Bevölkerung dienen - die Beseitigung der revolutionären wie der reformistischen Arbeiterorganisationen soll diesbezüglichen Widerstand verunmöglichen. Diese innere Ausbeutung hat ihre Grenzen, daher strebt der Faschismus auch nach einem größeren Anteil bei der imperialistischen Neuaufteilung der Welt, egal ob das große faschistische Deutschland gleich um die globale Hegemonie kämpft oder ob kleinerer faschistische Staaten wie Österreich oder Ungarn als "Juniorpartner" in faschistischen Bündnisstrukturen versuchen, geringere regionale Kuchenstücke, etwa in Ost- und Südosteuropa zu erlangen.

3. Der Faschismus bedient sich zur Umsetzung all dieser Ziele bestimmter Methoden. Die zentralste hierbei ist die terroristische Form der Herrschaftsausübung, d.h. Terror und Verfolgung sind unweigerlich Eckpunkte der faschistischen Diktatur, die Intensität kann freilich variieren. Darüber hinaus bedient sich der Faschismus in der Regel eines recht dumpfen Chauvinismus und Nationalismus, eventuell des Rassismus, um dem eigenen Regime im Volk eine gewisse Klammer zu geben. In beiderlei Hinsicht, bezüglich Terrorregime wie bezüglich der scharfen Abgrenzung nach außen, ist natürlich ein gewisser Militarismus immer mit dem Faschismus verbunden.

Damit haben wir nun also schon unsere Faschismusanalyse skizziert. Diese ist klarerweise kein Selbstzweck, sie kann nur Teil einer umfassenderen Faschismustheorie sein, die natürlich auch eine antifaschistische Strategie benötigt. Und diese antifaschistische Strategie ergibt sich folgerichtig aus der Faschismusanalyse.

Antifaschismus

Welche strategischen Implikationen ergeben sich nun aus den angeführten Punkten?

1. Das zentrale Angriffsziel des Faschismus ist die revolutionäre Arbeiterbewegung, d.h. sind die kommunistischen Organisationen. In zweiter Linie werden es auch die reformistischen, also sozialdemokratischen Organisationen. - Daraus folgt, dass unbedingte Voraussetzung einer erfolgreichen antifaschistischen Bewegung im Kern zumindest die Aktionseinheit der Organisationen der Arbeiterklasse verwirklichen muss, also das, was man klassisch als proletarische Einheitsfront nannte.

2. Der Faschismus will eine politische Alleinherrschaft erreichen, er will die politische Macht monopolisieren, eine offene Diktatur errichten. D.h. das nächste Angriffsziel des Faschismus ist die Demokratie - und diese ist natürlich unbedingt gegen den Faschismus zu verteidigen, egal ob aus liberaler, sozialdemokratischer oder auch kommunistischer Sicht. - Daraus folgt also zweitens, dass eine antifaschistische Bewegung ein Bündnis der proletarischen Einheitsfront mit allen demokratischen, republikanischen Kräften bedeuten muss.

3. Der Faschismus bedeutet Militarismus und letztlich Krieg. - Daraus folgt drittens, dass eine antifaschistische Bewegung ein Bündnis der proletarischen Einheitsfront mit allen friedliebenden, pazifistischen Kräften bedeuten muss, egal ob es sich dabei um Menschen religiöser oder humanistischer Motivation, um Menschen mit bäuerlichem, proletarischem oder bürgerlichem Background handelt.

4. Der Faschismus unterdrückt breite Schichten der Bevölkerung weit über das Proletariat hinaus nicht nur politisch, sondern - wie es im Imperialismus ohnedies grundsätzlich der Fall ist - auch in verstärktem Ausmaß ökonomisch und sozial. D.h. der Faschismus an der Macht, auch wenn er vor seiner Machtergreifung eine gänzlich andere Propagandaschiene fährt, ruiniert erstrecht die Bauernschaft, die Mittelschichten in Stadt und Land, das Kleinbürgertum, das widersprüchlicher Weise zumeist die soziale Basis, oft, aber nicht unbedingt eine Massenbasis des Faschismus darstellt. - Die antifaschistische Bewegung, getragen durch das Kernstück der proletarischen Einheitsfront, muss also das Bündnis auch mit diesen Kräften suchen, denen ihr realer Gegensatz zum Faschismus jedoch oft erst zu offenbaren ist. Objektiv aber stehen alle nicht-monopolistischen Klassen und Schichten im Gegensatz zum Faschismus. Und dies ist die objektive Möglichkeit der Schaffung einer breiteren antifaschistischen Volksfront auf Basis der proletarischen Einheitsfront.

Dies sind die strukturellen, organisatorischen Fragen - die inhaltlichen Aufgaben im Rahmen der antifaschistischen Volksfront liegen ebenso auf der Hand. Im Rahmen der antifaschistischen Volksfront müssen gemeinsame Ziele propagiert und verfolgt werden - und so ein Ziel heißt demokratische Republik, eventuell Volksdemokratie; wer aber auf linksradikaler Seite glaubt, die faschistische Diktatur unbedingt mit der sozialistischen Revolution stürzen zu müssen, wird die antifaschistischen Kräfte nur spalten: eine starke und erfolgreiche Volksbewegung aller antifaschistischen Kräfte ist nur dann möglich, wenn die etwa die Bauernschaft und die Mittelschichten nicht mehr Angst vor dem Sozialismus haben als vor dem Faschismus - denn genau darauf setzen nämlich die Faschisten. Die weitere Ausrichtung ergibt sich durch Negative zum Wesen der faschistischen Diktatur. Antifaschisten müssen jedem Chauvinismus und Nationalismus entgegentreten - und der Kampf um nationale Selbstbestimmung steht dazu nicht im Gegensatz. Antifaschisten müssen eine klare antimilitaristische Ausrichtung haben, der Volkskrieg ist nur ein Mittel, um alle Krieg zu beenden. Und Antifaschisten müssen dies auch nach außen umsetzen, d.h. jede imperialistische Kriegspolitik ablehnen, daher ist die antiimperialistische Solidarität unbedingter Bestandteil einer antifaschistischen Ausrichtung. - Zuletzt müssen aber auch klar die Schuldigen benannt werden: Antifaschismus bedeutet Antimonopolismus und Antiimperialismus.

Objektiv richten sich alle antifaschistischen Ansätze unweigerlich gegen die Interessen der Monopole, ob dies allen AntifaschistInnen nun bewusst ist oder nicht. Den Faschismus an der Wurzel auszurotten, verlangt aber letztlich ohnedies, den Imperialismus zu besiegen. Dies ist die historische Aufgabe des Proletariats. Sie verlangt Klassenbewusstsein, eine revolutionäre Strategie und Taktik und auf dieser Basis die organisierte Kampfeinheit der ArbeiterInnenklasse und ihrer Verbündeten. Diese werden schlussendlich unbesiegbar sein, denn Milliarden unterdrückter Menschen werden stärker sein als eine Handvoll unterdrückender Milliardäre.

In seinem Überlebenskampf wird der Imperialismus versuchen, sich aller Gewaltmittel zu bedienen, insbesondere abermals des Mittels des Faschismus. Ob er damit erfolgreich sein wird, hängt von der Entschlossenheit und Stärke der antifaschistischen Kräfte ab, deren Zentrum die einigen revolutionären Kräfte sein müssen. Somit ist eine Erfolgfrage des Antiimperialismus wie des Antifaschismus und somit des Antikapitalismus im Allgemeinen letztlich eine Frage der revolutionären Organisierung der arbeitenden Menschen.

Eine revolutionäre Organisierung verlangt eine integrale revolutionäre Theorie. Sie muss den Kampf für Demokratie und Frieden mit dem Kampf für eine sozialistische Gesellschaft verbinden. Wer die Aussage "Nie wieder Faschismus!" ernst meint, wird um die Frage der Gesellschaftsformation nicht herumkommen. Insofern bleibt es Aufgabe der fortgeschrittensten Kräfte, der revolutionären Kräfte in antifaschistischen Bündnissen und Bewegungen, die Notwendigkeit eines revolutionären Antiimperialismus und Antimonopolismus auch im Bewusstsein zu verankern. Schlussendlich ist die einzige Garantie, die Gefahr des Faschismus für immer aus der Welt zu schaffen, die Überwindung des Imperialismus selbst. Nur wenn diejenigen monopolkapitalistischen Kräfte, deren Instrument der Faschismus ist, umfassend entmachtet werden, so ist diese Gefahr gebannt. Zugespitzt steht die Menschheit früher oder später immer wieder vor den Alternativen: Sozialismus oder Barbarei - und die höchste Form der imperialistischen Barbarei bleibt der Faschismus.

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