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Achim Becker / Hans Canjé: Nicht ohne Stimme

Am Tag des KPD-Verbots hatte der »Deutsche Freiheitssender 904« Premiere

Freitag, 17. August 1956, 20 Uhr MEZ. Amtliche und nichtamtliche Rundfunkhörer machen auf der Mittelwellenfrequenz 904 einen neuen Sender aus. Über die Anfangstakte von Beethovens »Freude schöner Götterfunke« verkündet eine unpathetische, aber sich Aufmerksamkeit verschaffende Stimme: »Hier ist der Deutsche Freiheitssender 904 – der einzige Sender der Bundesrepublik, der nicht unter Regierungskontrolle steht.« Sprecher dieses Textes war der »Donnerer«, wie Wolfgang Heinz, Schauspieler und späterer Intendant des Deutschen Theaters, hinter vorgehaltener Hand von seinen Kollegen genannt wurde. Gefragt, ob er bereit wäre, diese Ansage zu sprechen, antwortete der von den Faschisten verfolgte Kommunist, ein über den deutschsprachigen Raum hinaus anerkannter Charakterdarsteller, ohne Zögern mit Ja. Von nun an war seine Stimme zur Eröffnung der Sendezeit zu hören.

Verlesen wurde in dieser ersten Sendung eine Erklärung des Parteivorstandes der KPD zu der am Vormittag verkündeten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe über das von der Adenauer-Regierung im November 1951 beantragte Verbot der Partei. Dann ging es in der Sendung recht martialisch weiter: Die Namen der für das Verbot Verantwortlichen wurden genannt und hinter jedem Namen folgte, von uns eingefügt, ein Tonausschnitt aus der Urteilsverkündung im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß aus dem Jahr 1946: »...zum Tode durch den Strang«.

Mit dem Verbot der Partei waren selbstverständlich auch deren Zeitungen verboten und damit die Möglichkeiten entfallen, weiterhin öffentlich wirksam zu sein. Das geschah in einer für die Partei, die Gewerkschaften und für die Entwicklung der Bundesrepublik insgesamt äußerst komplizierten Situation: Die KPD befand sich mitten in der Diskussion über die im Februar 1956 von Nikita Chruschtschow über Stalin und den Personenkult gehaltene Rede auf dem XX. Parteitag der KPdSU. Am 7. Juli 1956 hatte der Bundestag gegen anhaltenden Protest die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht beschlossen. Die Gewerkschaften der Bundesrepublik bereiteten sich auf Kampfaktionen zur Durchsetzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vor. Der Kampf mündete im schleswig-holsteinischen Metallarbeiterstreik. Unter der Losung »Wir wollen nicht Menschen zweiter Klasse sein« wurde er vom 24.Oktober 1956 bis 14.Februar 1957 zur längsten Streikaktion seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland. Es formierte sich eine breite Volksbewegung gegen die atomare Aufrüstung der Bundesrepublik, die im Frühjahr 1957 mit dem »Appell der Göttinger 18« und in der Paulskirchen-Bewegung ihren Höhepunkt fand.

Vorbild aus dem Spanischen Krieg

Die KPD, die zwar, wie ihre Erklärung zum Verbotsurteil bekräftigte, »trotz Verbot lebt«, war jedoch ohne vernehmbare Stimme. Hier erwies sich die Existenz der DDR als segensreich. Im Sinne des von der SED traditionell gepflegten proletarischen Internationalismus stand sie ihrer westdeutschen Bruderpartei bei, mit der sie gemeinsame Wurzeln verbanden. Am 14. August 1956 hatte das Politbüro der SED in Erwartung des bevorstehenden Verbots den Beschluß gefaßt, »eine besondere Sendestation nach Westdeutschland mit dem Namen ›Deutscher Freiheitssender 904‹« einzurichten. »Im Rahmen dieses Freiheitssenders«, hieß es da weiter, »werden geschlossene Sendungen der KPD durchgeführt«. Eine Frauenstimme »mit proletarischem Timbre«, so eine Zeitung der Bundesrepublik, kündigte fortan auf DFS 904 allabendlich diese geschlossene, also diese im Programm für sich stehende Ausstrahlung an: »Hier spricht die trotz Verbot kämpfende KPD«.

Der Name des neuen Senders war – abgesehen von dessen Frequenz – nicht zufällig gewählt. Anfang 1937 hatten zwei deutsche Antifaschisten, der frühere kommunistische Landtagsabgeordnete Franz Dahlem und der Journalist Gerhart Eisler im spanischen Freiheitskrieg dem Informationsminister der Volksfrontregierung, Jesus Hernandez, den Wunsch ihrer Partei vorgetragen, auf spanischem Boden eine illegale Rundfunkstation für antifaschistische Sendungen nach Deutschland zu errichten. Die spanische Regierung stimmte zu, so daß der »Deutsche Freiheitssender 29,8« am 19. Januar 1937 seine Arbeit aufnehmen konnte.

1956 wurde für die ersten Sendungen vom Rundfunk der DDR in der Berliner Nalepastraße ein Studio im Block B des Funkhauses zur Verfügung gestellt. Auch die Technikerinnen und Techniker waren Mitarbeiter des DDR-Rundfunks. Zur Redaktion gehörten Mitglieder der KPD, die den Kern der Redaktion bildeten – junge Journalisten, von denen einige nicht ohne Komik in verschiedenen westdeutschen Dialekten sprachen. Zu ihnen gehört der erfahrene Genosse Emil Carlebach. Er war einer der ersten Lizenzträger der Frankfurter Rundschau – 1947 allerdings wurde dem aufmüpfigen Kommunisten und Antifaschisten vom amerikanischen Militärgouverneur Lucius Clay die Lizenz entzogen. Der von Churchill verkündete Kalte Krieg duldete keine Kommunisten in derartigen Funktionen.

DFS 904 tauchte also nicht, wie Christian Senne in seiner 2003 gefertigten, sich stark auf Akten aus dem SED-Archiv stützenden Magisterarbeit schreibt, »wie aus dem Nichts am Tage des Verbots auf«. Dank der solidarischen Hilfe der SED hatte sich die KPD auf das Verbot vorbereiten und über »den Geheimsender im Kalten Krieg« mit der »Verschleierung seiner Produktionsstätte« ihre Meinung zum politischen Geschehen verbreiten können. Richtig schreibt Senne allerdings: »Während seiner gesamten Lebensdauer umhüllte sich der Sender mit einem Schleier der Konspiration, welcher auch über 30 Jahre später noch nicht restlos gelüftet ist« (www.kulturation.de). Eine gelungene »Überraschung«. Sie bereitete der Gegenseite großes Rätselraten über Standort und Mitarbeiter des Senders sowie über die Produktionsmethoden seiner Sendungen. Mal wurde ein Schiff, mal ein LKW als Standort vermutet. Der Spiegel schrieb am 29. August 1956: »Die Sendeleitung ist provisorisch in einem Nebengebäude des sowjetzonalen Fernsehstudios in Berlin-Adlershof untergebracht worden«. Noch das 2005 bei Böhlau erschienene Buch »Ganz Ohr, eine Kulturgeschichte des Radios in Deutschland« verbreitet: »Die Sendungen wurden in Leipzig produziert, nach Berlin zur Kontrolle durch das Zentralkomitee der SED überspielt und dann«, das stimmt allerdings, »in der Gegend von Magdeburg« ausgestrahlt. Angesichts solcher, wie gesagt, schon damals angestellten Spekulationen machte es besonderen Spaß, gelegentlich mal eine Sendung mit dem Hinweis auf gesichtete Polizei kurz zu unterbrechen oder die damals vielzitierten Durchsagen, intern »Eidechsen« genannt«, wie »Meerschweinchen, heute droht der Adler« ins Programm zu streuen.

Bonn hörte mit

Die von einigen westdeutschen Zeitungen konstatierte »Konspiration« war allerdings nötig. Das Verbotsurteil bedrohte jede Fortsetzung der Tätigkeit für die KPD mit hohen Strafen. Männer wie Emil Carlebach wurden seitdem mit Haftbefehl gesucht. Wenn die Empfangsbedingungen auch nicht in allen Teilen der Bundesrepublik von guter Qualität waren, blieben die Sendungen nicht ohne Wirkung und erfreuten sich nicht nur der Aufmerksamkeit der Genossen, sondern fanden in der Bundeswehr und bei Gewerkschaftern ebenso Gehör. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz, der Militärische Abschirmdienst, das Bundespresseamt und die Unternehmerorganisationen zeichneten die Sendungen auf, ordneten sie nach Themen und Stimmen der Sprecher (für alle Fälle) und untersuchten sie, versehen mit Verweisen auf mögliche Informanten aus den eigenen Reihen. Für die Unternehmen war es der nur in vertrauten Kreisen zu abonnierende Industriewarndienst, der hierbei besonders aufmerksam war.

Was nicht verwunderte. Die KPD war zwar verboten, in den Betrieben aber und in den Gewerkschaften waren die Genossen weiter aktiv und wurden als Interessenvertreter immer wieder gewählt. Am 15. April 1957 empörte sich der Industriekurier heftig über den Erfolg der Kommunisten bei den Betriebsratswahlen. Selbstverständlich bezog DFS 904 zum Teil Informationen aus den westdeutschen Zeitungen und ihren Lokal- und Regionalausgaben. Wesentlicher waren aber die eigenen Recherchen vor Ort. Dabei galt Faktenbezug und Detailtreue in der Darstellung als erstes Gebot. Mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln ist z.B. der Betrieb X in Y zu erreichen. Welchen Wagen fährt der Chef? Welche Kneipe wird nach Feierabend bevorzugt? Gibt es etwas Auffallendes an deren Einrichtung? Welches Bier wird dort ausgeschenkt? Welches Thema hat am Tag im Betrieb und in der Kneipe eine besondere Rolle gespielt?

Wenn dann am Abend desselben oder nächsten Tages ein entsprechender Beitrag über den Sender ging oder zum Beispiel »Kohlemax«, ein Ruhrgebietler von echtem Schrott und Korn, seine mit diesen Fakten angereicherte Betrachtung in den Äther sprach, dann kam das bei der arbeitenden Bevölkerung gut an und war schon einen Vermerk im Industriewarndienst wert. Hin und wieder gab es Tage später einen freundlichen Händedruck von einem Arbeiter, der sich (trotz aller Konspiration) daran erinnerte, daß er uns informiert oder gar ins Mikrofon gesprochen hatte.

Hohe Trefferquote beim Bund

DFS 904 sendete täglich von 20 bis 21 und von 22 bis 23 Uhr nach einem im Lauf der Zeit modifizierten Konzept. Später kam eine Frühsendung von sechs bis sieben Uhr hinzu. Grundprinzip war, nicht zuletzt auch wegen der nicht immer idealen Empfangsbedingungen, Aktualität und Kürze der Beiträge. Es gab in der ersten Sendestunde den Tageskommentar, einen Informationsblock und die regelmäßigen Berichte aus Betrieb und Gewerkschaft. Der »Kohlemax« hatte hier seinen festen wöchentlichen Platz wie auch der unverkennbar aus Bayern stammende Beobachter der Landwirtschaftspolitik. Von 20.45 bis 21 Uhr wurde aus dem Leben der verbotenen Partei berichtet. Dann konnte Thema sein: das Erscheinen neuer illegaler Betriebszeitungen, Protestaktionen der Genossen oder auch Erklärungen der Parteiführung. Es kam auch vor, daß aus aktuellem Anlaß Flugblattexte langsam zum Mitschreiben vorgelesen wurden.

Die Stunde zwischen 22 und 23 Uhr war, wie auch das Frühprogramm, ganz anders gestaltet. Hier dominierte der knappe, aggressive Text mit einer Musikauswahl, die den Sender besonders unter den jugendlichen Hörern in Ost und West fast begehrter machte als die besser zu empfangenden Hitparaden der etablierten Sender. Letztere mußten sich an die Auflagen der Schallplattenindustrie halten und durften Musiktitel nicht ausspielen. Derlei Beschränkungen galten für DFS 904 nicht; wir besorgten uns die »heißen« Titel bei den Schallplattenfirmen, bedienten uns ohne Rücksicht bei nationalen und internationalen Sendestationen und brachten die Titel unverzüglich ins Programm. Unsere Sendungen wurden, bis auf die Berichterstattung aus der KPD und die Sendung für die Bundeswehr, »live« gefahren.

Eine Sendung, die ihren festen Platz in der Zeit zwischen 22 und 23 Uhr hatte, erfreute sich bei der Bundeswehr – und dem militärischen Abschirmdienst – besonderer Zuneigung. Sie wurde speziell für Bundeswehrangehörige gemacht. Das Trompetensignal aus dem US-amerikanischen Film »Verdammt in alle Ewigkeit« eröffnete diese Sendung. Informationen dazu lieferten die lokale Presse und spezielle Publikationen der Bundeswehr. Bei Reisen der Redakteure durchs Land gab es auch schon einmal einen Kasernenbesuch, dann wurde die Umgebung des Standorts ebenso begutachtet wie Autotypen und Kennzeichen der ein- und ausfahrenden PKW. Gewarnt wurde gelegentlich vor dem Besuch dieses oder jenes, besonders von Leuten der Abwehr frequentierten nahegelegenen Bordells. Legendär waren die Hinweise des Senders auf bevorstehende Nachtübungen in namentlich genannten Kasernen und die damit verbundenen Empfehlungen an die Soldaten, in dieser Nacht möglichst in der dafür vorgesehenen Montur ins Bett zu gehen. Die Trefferquote war erfreulich hoch. Manchmal half der Zufall, dem Sender vorliegende Monatspläne waren aber zuverlässiger.

Die oben beschriebene Arbeitsmethode, soviel wie möglich an örtlichen Details in die Berichte einfließen zu lassen, bewährte sich besonders beim Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein, der im Herbst 1956 unter für die Partei sehr komplizierten Bedingungen stattfand. Die Konterrevolution in Ungarn wurde zu dieser Zeit von den Medien der Bundesrepublik im Chor als »Freiheitskampf gegen den Kommunismus« gefeiert. Wenn diese Hetze der Akzeptanz der kommunistischen Kollegen im Streik keinen Abbruch tat, spricht das für deren Einsatz. Sie hatten zudem ein starkes Argument bei der Hand: Die volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vom ersten Tage an war in der gegenüberliegenden DDR Gesetz. Otto Brenner, der damalige IG- Metall-Vorsitzende, machte von dieser Tatsache immer wieder Gebrauch. Die DDR saß also mit am Verhandlungstisch. Wir waren fast während des gesamten Streiks im Land, wohlinformiert durch Streikleitung, Vertrauensleute und kommunistische Betriebsräte. Wir waren zum Teil besser informiert als die Kollegen von der »anderen Feldpostnummer«. Bei besonderen Anlässen wurden die Berichte, so ganz entsprach das nicht den Regeln der Konspiration, auch schon einmal bei einer Telefonnummer in Westberlin abgesetzt. Die »zuständigen Stellen« registrierten das, wie dem Industriewarndienst zu entnehmen war, sehr wohl. Im Schoße der Streikenden fühlten wir uns allerdings relativ sicher.

Gefahr für die »Grundordnung«

Am 8. November 1962 befaßte sich der Bundestag zum zweiten Mal mit dem DFS 904. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte unter dem Titel »Bedingt abwehrbereit« eine kritische Zustandsbeschreibung der Bundeswehr veröffentlicht. Adenauer sah einen »Abgrund an Landesverrat«. Es kam zu einer großen Polizeiaktion gegen den Spiegel und zur Verhaftung einiger seiner führenden Leute. Seitens staatlicher Einrichtungen waren einige Bundeswehroffiziere als Gutachter zur Bewertung des Magazins eingesetzt worden. Bei Recherchen durch den DFS 904 hatte sich herausgestellt, daß darunter auch ehemalige Angehörige der SS waren, die nun in der Bundeswehr dienten. Die Meldung ging durch die Presse. In einer Fragestunde sah sich der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, der für die Aktion gegen den Spiegel verantwortlich zeichnete, zur Stellungnahme gezwungen: »Wir haben umfangreiches Material geprüft. Wir sind dabei darauf gekommen, daß eine Propagandaquelle, nämlich der Sender 904, vor kurzem einen Gutachter, einen Oberstleutnant, angegriffen, ihn als SS-Führer bezeichnet und dagegen Stellung genommen hat, daß ein solcher SS-Führer vor Gericht als Sachverständiger aufgetreten sei.«

Im Sommer 1961 hatte bereits die FDP die bundesdeutsche Demokratie durch die Rundfunkkapazität der »Ostzone« und des »sogenannten Freiheitssender« bedroht gesehen. In einer kleinen Anfrage wollte sie vom damaligen Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) wissen, was von seiten der Bundesrepublik rundfunktechnisch gegen uns unternommen werde. Ausgerechnet Schröder, der durch die Schule der SA gegangen war und in seinem Amt als Bundesinnenminister nach dem Verbot der KPD im August 1956 für die flächendeckende Verfolgung von Kommunisten und anderen »Verfassungsfeinden« zuständig war, konstatierte »eine erhebliche Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik«. Die Regierung habe das jedoch früh erkannt und »sich seit langem bemüht, dieser Gefahr wirksam entgegenzutreten«.

Spaß beim Klassenkampf

Solche Töne waren verständlicherweise Futter für die Redaktion und Bestätigung für wirksame Arbeit. Franz Josef Strauß war beispielsweise dank seiner Lebensweise und seines oft ungezügelten und militanten Auftretens ein besonders beliebtes Objekt nicht nur unseres Senders. Als DFS 904 einige Male über seine sexuellen Eskapaden berichtet hatte, kam von bayrischen Hörern der Hinweis, daß ihm derartige Berichte in seiner Heimat nur Pluspunkte ob seiner Manneskraft einbringen würden, was wir natürlich nicht wollten. Also blieb Strauß in dem wöchentlichen Beitrag »Bundeshaussaaldiener Hyronimus«, der sich speziell mit dem Auftreten von Ministern und Abgeordneten beschäftigte, fortan zumindest auf diesem Gebiet ein braver Mann.

Am 30. September 1971 strahlte der DFS 904, eine Konzession an die sich anbahnende Entspannung zwischen den beiden deutschen Staaten, seine letzte Sendung aus. 15 Jahre hatte er täglich gesendet. Ein Kapitel deutscher kommunistischer Rundfunkgeschichte ging damit zu Ende. Für uns, die wir dabei waren, waren es spannende Jahre. Klassenkampf kann auch Spaß machen. Nicht nur jW-Autor Dr. Seltsam hat uns bestätigt: »So verdanke ich dem Deutschen Freiheitssender (...) meine geistige Gesundheit.«

Achim Becker, Jahrgang 1931, gelernter Kaufmann, seit 1951 Redakteur beim Rundfunk der DDR, gehörte im August 1956 zu den ersten Mitarbeitern des DFS 904. Von 1969 bis 1972 war er Chefredakteur des Senders »Stimme der DDR« und von 1980 bis 1989 Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Rundfunk. Von 1981 bis zuletzt Kandidat bzw. Vollmitglied des ZK der SED.

Hans Canjé, Jahrgang 1929, gelernter Maurer, von 1951 bis zum Verbot der KPD 1956 Redakteur beim Zentralorgan der KPD Freies Volk. Nach dem Verbot Mitarbeit beim DFS 904. Am 19. September 1962 verhaftet und am 31.Oktober 1963 vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe wegen seiner Tätigkeit bei DFS 904 zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach Übersiedlung in die DDR Tätigkeit bei der Nachrichtenagentur ADN und beim Rundfunk der DDR.

[Junge Welt; 21.08.2006]

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