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Reuven Moskowitz: "Tel Avivs Kriegsziele sind unerreichbar"

Bei der Besetzung des Libanon geht es nicht um die Verteidigung der Existenz Israels. Der israelische Friedensaktivist Reuven Moskovitz wurde 1928 in Rumänien geboren. Trotz Verfolgung und Vertreibung überlebte er den Holocaust und wanderte 1947 nach Palästina ein. Dort war er Mitbegründer des Kibbuz Mis-gav-Am an der libanesischen Grenze. 1967 wurde er Sekretär der »Bewegung für Frieden und Sicherheit«, die sich gegen Annexion der eroberten Gebiete und für Selbstbestimmung der Palästinenser einsetzte. Für sein Engagement in der israelischen Friedensbewegung wurde der in Jerusalem lebende Moskovitz 2003 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

Ab Montag soll im Krieg Israels gegen die Hisbollah Waffenstillstand herrschen. Hat Israel seine Kriegsziele erreicht?

Nein. Israels Kriegsziele sind unerreichbar. Wir sind nicht angegriffen worden und Israel kämpft nicht wirklich um seine Existenz. Das Ziel ist nicht die Anerkennung Israels, weil es in den Grenzen von 1967 längst international anerkannt ist. Israel könnte auf einem Territorium von 80 Prozent des ehemaligen Palästina unter normalen Verhältnissen als ein kleiner Staat in Frieden mit den Palästinensern und seinen Nachbarländern leben. Aber Israel kämpft um neue Grenzen und die Verhinderung eines palästinensischen Staates. Und Israel kämpft um die Liquidierung der Hisbollah, die erst durch den israelischen Einmarsch in den Libanon 1982 entstanden ist.

Über 80 Prozent der Israelis haben sich hinter den Angriff auf den Libanon gestellt. Woher kommt diese große Zustimmung?

Das ist eine Folge des Traumas durch den Nationalsozialismus. Hitler hat uns hier ein Schlangengift hinterlassen. Aber es ist auch das Ergebnis eines verbrecherischen Konzepts, das davon ausgeht, daß Israel ohne Rücksicht auf den Rest der Welt seine absolute Sicherheit durchsetzen kann. Um das Volk immer in Kriegsbereitschaft zu halten, wird es von der Angst indoktriniert, wir stünden immer noch vor den Toren von Auschwitz. Daß wir bedroht werden, stimmt. Aber wir werden auch von unserer Politik bedroht.

Findet also eine Instrumentalisierung der Shoa für Israels Kriegspolitik statt?

In Deutschland herrscht bis in die Friedensbewegung hinein die Sorge, bei einer Kritik an Israel in die antisemitische Ecke gestellt zu werden. Eine verbrecherische Instrumentalisierung stellt den Holocaust in den Dienst einer Politik, die den Nahen Osten in einen Wirbel von Gewalt und Gegengewalt verstrickt hat. 1948 erklärte der israelische Staatsgründer Ben Gurion, die Weisheit Israels sei die Weisheit, Krieg zu führen. Dahinter steckt die Idee, nur wir alleine wüßten, was gut für uns ist. Die Welt, die angeblich während des Holocaust geschwiegen hat, habe demnach kein Recht, uns die internationalen Normen und Gesetze aufzuzwingen. Neben der Indoktrinierung durch den Propagandaapparat unseres Geheimdienstes und den der USA haben die Deutschen auch freiwillig eine Schuldidentität übernommen. Dies nutzen israelische Politiker aus, um die Zustimmung zu einer Politik zu erhalten, die sich über alle internationalen Gesetze hinwegsetzt. Deutschland sollte unbedingt solidarisch mit Israel in bezug auf sein Existenzrecht sein, aber nicht in bezug auf ein Recht zu annektieren, zu vertreiben, Menschen einzusperren und Häuser zu zerstören.

Ist es realistisch, daß Israel von sich aus seine Politik ändert?

Das wird nie von Israel selbst kommen. Auch die Deutschen haben Hitler bis zuletzt unterstützt. Natürlich wird dieser Vergleich nicht gern gehört, und Israel ist noch eine Demokratie, wenn auch nur auf dem Papier. Aber die Denk- und Gewaltstrukturen sind faschistisch: die Anbetung des Staates, die Vorstellung, daß nur durch Gewalt unsere Ziele durchgesetzt werden könnten. Daher muß die internationale Gemeinschaft mit Deutschland und der EU als Speerspitze starken Druck auf Israel ausüben, um eine Lösung zu finden, die die Interessen der Palästinenser, der Nachbarstaaten und auch Israels berücksichtigt.

Müßte Israel für eine solche Lösung nicht in erster Linie seine zionistische Identität aufgeben?

Das kann Israel nicht, weil es dann kein Existenzrecht mehr hätte. Aber Israel kann die rassistische Auffassung aufgeben, ein Judenstaat zu sein, obwohl dort auch 1,3 Millionen Palästinenser leben. Man kann keine Demokratie aufbauen, wenn sich 20 Prozent der Bevölkerung ausgeschlossen fühlen.

Interview: Nick Brauns

»junge Welt«, 14.8.2006

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