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Betrifft: Blumen aus Galiläa von Israel Shamir/ Antisemitismus

Liebe Kollegin, lieber Kollegin,
liebe Freunde des Promedia Verlages,

seit einigen Wochen kursierst ein Schreiben im Internet, das dem bei Promedia erschienenen Buch von Israel Shamir, Blumen aus Galiläa, antisemitische Tendenz vorwirft und dem Herausgeber Fritz Edlinger sowie dem Verlag selbst damit eine ähnliche Absicht unterstellt. Gezeichnet wurde dieses Schreiben von einem gewissen Karl Pfeifer.

Dem Medium des Internet ist es eigen, Quellen von Behauptungen oder Vorwürfen sowie deren Verbreitung nur mühsam nachspüren zu können. Um dem ausgestreuten Gerücht zu begegnen, haben wir uns entschlossen, per E-Mail eine kurze Stellungnahme zu dem Vorwurf abzugeben.

Der Angriff auf das Buch von Israel Shamir zielt unserer Meinung nach eindeutig darauf ab, Kritik an Israel mit der Keule des Antisemitismusvorwurfs unmöglich zu machen. Denn im ganzen Buch von Israel Shamir geht es um Galiläa, um Israel, um Palästina. Es geht nicht um Juden oder um die jüdische Religion. Und wir haben dieses Buch gemacht, gerade weil wir mit einer heftigen, ja polemischen, bissigen Kritik an der Politik Israels zur Debatte um die israelische Selbstermächtigung von „gezielten Tötungen“ oppositioneller Palästinenser (um nur das vielleicht grausamste Beispiel einer rechten, radikalen, militaristischen, ja: einer zionistischen Politik zu nennen) beitragen wollen. Shamir prangert diese Politik an, er wendet sich gegen den Mauerbau, den er in bewusster Provokation „Ghettoisierung“ nennt, der die Araber genauso aussperrt wie er die Israelis einsperrt. Und er wendet sich gegen die Kolonialpolitik Israels in den besetzten und hundertfach geteilten, von Palästinensern bewohnten Gebieten.

Israel Shamir wird auch deshalb zur Zielscheibe von ungerechtfertigten Angriffen, weil er sich – wie Edward Said es tat – offen für eine Einstaatenlösung einsetzt. Diese Lösung des Konflikts im Nahen Osten würde automatisch das Ende des Zionismus bedeuten. Dann müsste nämlich eine „Zivilgesellschaft“ bestehend aus Arabern und Israelis, aus Moslems, Juden und Christen die Staatsgeschicke lenken. Die Einstaatenlösung, derzeit machtbedingt ziemlich aus der Mode geraten, befindet sich im Visier jeder zionistischen Auffassung, sie beraubt letztlich einen israelischen Staat, wie er heute betrieben wird, seiner Grundlagen. Das mag eine radikale Ansicht sein, aber sie ist sicher nicht antisemitisch. Im Gegenteil: Israel Shamir setzt sich für ein Zusammenleben aller Völker und Religionen im Nahen Osten ein; er kämpft damit für die Juden, deren Schicksal er bei Fortführung der aktuellen Politik für verloren fürchtet.

Israel Shamir, geboren 1947 in Novosibirsk, kam 1969 als Sohn jüdischer Eltern nach Israel. Er diente in einer Fallschirmjägereinheit der israelischen Armee und kämpfte im Jom Kippur-Krieg 1973. Als Übersetzer von Homer, James Joyce, dem Talmud und anderen Werken in die russische Sprache machte er sich einen Namen. Im Januar 2001 zwangen ihn - wie er selbst schreibt - israelische Angriffe auf Palästinenser, sich politisch einzumischen.

Der Verlag Promedia hat eine 22jährige Geschichte hinter sich, die dem Vorwurf einer antisemitischen Tendenz Hohn spricht. Ein Blick auf Autoren und Themen, von Erich Fried bis Margarete Schütte-Lihotzky, genügt, um die Unseriösität der Anwürfe offenbar zu machen. Promedia versteht sich nicht nur allgemein als antifaschistischer Verlag (was selbstverständlich ist), sondern versucht auch, Diskriminierungen und Verfolgungen von Minderheiten publizistisch entgegenzutreten. Das beinhaltet den Kampf gegen Antisemitismus genauso wie auch die Ermöglichung einer literarischen Stellungnahme gegen die menschenverachtende Politik Israels.

Wer sich selbst ein Bild über Israel Shamirs Buch machen will, dem sei die Lektüre empfohlen: Israel Shamir, Blumen aus Galiläa. Schriften gegen die Zerstörung des Heiligen Landes Wien 2005, 216 Seiten, ISBN 3-85371-231-2, 17,90 Euro.

Wer sich kurz aus seriöser Hand informieren möchte, der kann auf die eben erschienene Besprechung des Titels in der Wochenzeitung „Freitag“ zurückgreifen.

Mit freundlichen Grüßen
Hannes Hofbauer
Promedia Verlag

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