Die europäische Verfassung, die militärische Rolle von NATO und EU sowie die neuen imperialistischen Bedrohungen auf dem Balkan und im Mittleren Osten waren die Themen der diesjährigen Tagung des Griechischen Komitee für Entspannung und Frieden (EEDYE). Das im Weltfriedensrat organisierte Komitee beging mit seiner dreitägigen Veranstaltung vom 13. bis zum 15. Mai in Athen nicht nur den 60. Jahrestag des Sieges über den Faschismus, sondern auch ihren eigenen 50. Geburtstag.
Schon zum zweiten Male hatte die EEDYE dabei nicht nur Vertreter von Friedensorganisationen des Weltfriedensrates aus 15 Ländern Europas und des Mittleren Ostens, sondern auch ehemalige Mililitärangehörige aus west- und osteuropäischen Staaten als Gäste und Referenten geladen. Aus der BRD waren gleich zwei hochrangige Offiziere angereist. Der ehemalige Admiral und Chef des Militärischen Abschirmdienstes MAD, Elmar Schmähling, und der ehemalige Oberst der NVA der DDR Wilfried Schreiber setzen sich heute gemeinsam für Frieden und Abrüstung überall in der Welt ein.
Einhellig betonten die Militärs auf der Tagung ihre Verpflichtung zu einer aktiven Rolle im Widerstand gegen die Militärpolitik von USA, NATO und EU. Als Experten hätte ihre Stimme Gewicht auch bei denjenigen, die ihre Ohren den Argumenten der Friedensbewegung verschließen. Offiziere aus den Balkanstaaten berichteten über die Anstrengungen der USA, unter dem Schild der NATO Militärbasen in ihren Staaten einzurichten. Gegen den Willen der betroffenen Völker sollten so die ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten in willfährige Verbündete gegen Rußland transformiert werden, so Shulha Mykola, Exoffizier aus der Ukraine. Auf großes Interesse und breite Zustimmung stieß auch der Vorschlag aus den Reihen der ehemaligen Militärs, parallel zur jährlich in München stattfindenden »Sicherheitskonferenz« ein tatsächlich der Sicherheit dienendes »Europäisches Sicherheitsforum« zu veranstalten. Friedensorganisationen und Militärs verabschiedeten zwei Resolutionen, in denen der Abzug aller Truppen aus allen besetzten Ländern, insbesondere dem Irak und Afghanistan, die Vernichtung aller atomaren, biologischen und chemischen Waffen und die Schließung von US- und NATO-Basen gefordert werden.
Den Höhepunkt der dreitägigen Veranstaltung bildete auch dieses Jahr wieder der auf der Olympiastrecke ausgetragene Friedensmarathon nach Athen. Erstmalig hatte die EEDYE den Marathon im Jahre 1963, anläßlich des griechischen Protestes gegen die damalige Stationierung von Atomwaffen in Europa, ausgetragen. Die reaktionäre griechische Regierung hatte den Marsch damals verboten, bei den folgenden Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei wurden etwa 300 Demonstranten verwundet und mehr als 2000 festgenommen. Daraufhin marschierte der damalige Vizevorsitzende der EEDYE und Abgeordnete der Vereinigten Linken (EDA), Giorgos Lambrakis, die Strecke allein, seine Immunität als Abgeordneter nutzend. Einen Monat später wurde Lambrakis in Thessaloniki von faschistischen Söldnern des reaktionären griechischen Regimes ermordet.
[Heike Schrader, Athen für die Junge Welt vom 17. 05. 2005]
KomInform
http://www.kominform.at/article.php/20050517085041751