Landraub anprangern

19.03.2012, 00:02

Beitrag von: RedAktion

Initiativen aus Palästina und der ganzen Welt wollen am 30. März gegen die israelische Annexion protestieren. Zahlreiche Prominente unterstützen das Vorhaben

Von Joachim Guilliard


30. März 2009 in Beit Hanun, Gaza: Symbolische Baumpflanzung am »Tag des Bodens« Foto: ddp
Am 30. März 2012 werden sich Menschen aus allen Kontinenten in Jordanien und dem Libanon einfinden und sich zu einem »Globalen Marsch nach Jerusalem« vereinen. Auch in Ägypten, im besetzten Westjordanland, in Gaza, in Israel und in Jerusalem selbst sind große Kundgebungen am traditionellen palästinensischen »Tag des Bodens« geplant. Dieser nationale Gedenktag erinnert an die großen Streiks und Protestmärsche gegen Landenteignungen im Jahr 1976 und die blutige Reaktion Israels darauf. Er steht seither für die Einheit der Palästinenser im Kampf für Freiheit und Würde und gegen den Raub ihres Landes.

Jahr für Jahr finden an diesem Tag zahlreiche Aktionen gegen die israelische Besatzungspolitik statt. Mit dem »Marsch auf Jerusalem« soll in diesem Jahr die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf die Lage in der Stadt gelenkt werden, wo die Annexion palästinensischen Bodens, Diskriminierung und Vertreibung der palästinensischen Einwohner den Charakter Jerusalems als religiöses Zentrum und kulturelles Erbe der drei großen monotheistischen Religionen – Islam, Christentum und Judentum – zu zerstören drohen.

In einer Strategie der Judaisierung verbietet die israelische Regierung den meisten Palästinensern – ob Muslime oder Christen – den Zugang zur jahrtausendealten Stadt und sogar den Besuch der heiligen Stätten. Immer mehr der noch verbliebenen palästinensischen Bürger werden durch direkte Vertreibung aus ihren Häusern oder administrative Maßnahmen gezwungen, Jerusalem zu verlassen. Mehrere tausend Häuser mußten bereits jüdischen Siedlungen weichen. Insgesamt 40 Prozent der palästinensischen Häuser in Ostjerusalem wurden laut Recherchen des »Israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen« (ICAHD) von der israelischen Führung für »illegal« erklärt. Ihnen droht der Abriß. Der multireligiöse und multiethnische Charakter der Stadt, deren Ostteil die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden soll, wird immer stärker untergraben.

Der »Globale Marsch« ist eine einzigartige Initiative. Die Idee zu diesem ambitionierten Vorhaben geht von Organisatoren der »Asien-Gaza-Solidaritäts-Karawane« aus. Andere asiatische Initiativen sowie auch aus dem Mittleren Osten, Afrika, Europa und Nordamerika schlossen sich an. In vielen Ländern entstanden Koordinationsbündnisse. Auch in Österreich, der Schweiz und Deutschland formierte sich ein gemeinsames Vorbereitungs- und Unterstützungskomitee.

Zahlreiche international bekannte Persönlichkeiten stellten sich hinter das Projekt und riefen zur Teilnahme auf. Aus diesem Kreis wurde vor wenigen Tagen ein Beirat gegründet, der mit einer eigenen Erklärung (siehe unten) den Anliegen des Globalen Marsches Nachdruck verleihen möchte. Zu den Mitgliedern zählen u.a. die Friedensnobelpreisträger Mairead Maguire (Irland) und Erzbischof Desmond Tutu (Südafrika), der Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Atallah Hanna, der israelische Antizionist und Gründer des Alternative Information Center, Michel Warschawski, der ehemaliger Sprecher des jordanischen Parlaments, Abdullatif Arabiyyat, und der Sprecher des indonesischen Repräsentantenhauses, Marzuki Alie, der frühere Fraktionschef der Sozialdemokraten im Schweizer Parlament, Dr. Franco Cavalli, der Hamburger Völkerrechtler Prof. Norman Paech sowie die jüdisch-deutsche Menschenrechtsaktivistin und Autorin Evelyn Hecht-Galinski. Viele von ihnen werden sich am Marsch beteiligen.

Die palästinensische Koalition, die den Globalen Marsch nach Jerusalem organisiert, gewann eine beispiellose Breite und umfaßt nun fast alle politischen und religiösen Tendenzen in der palästinensischen Bevölkerung. Die Mehrheit der Teilnehmer bei den großen Märschen in Jordanien und Libanon werden palästinensische Flüchtlinge sein. Das Recht auf Rückkehr ist daher auch das zweite zentrale Anliegen des Globalen Marsches.

Der Marsch knüpft an die Proteste zum »Nakba«-Tag am 15. Mai 2011 an, an dem Zehntausende an die Grenze Israels zogen, um das von der UNO anerkannte Recht auf Rückkehr einzufordern. Auch damals handelte es sich um eine internationale Aktion. Mehrere Dutzend Demonstranten wurden dabei von Israel getötet. Die Gefahr gewaltsamer Reaktionen Israels besteht bei den gewaltfreien Märschen und Demonstrationen am 30. März ebenfalls. Eine starke Beteiligung europäischer und nordamerikanischer Delegationen könnte hier, so hoffen die Organisatoren, einen gewissen Schutz bieten.

junge Welt


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