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Ein Nachruf auf Hans Heinz Holz

„Ich wäre mir selbst widerwärtig, wenn ich mich in meiner Haltung aus Anpassungsgründen anders verhalten würde, als meine Theorie es mir logisch gebietet.“ — Hans Heinz Holz

Die herbstliche Fassade in der Marburger Wilhelmstraße verrät nichts von dem traurigen Ereignis. Ihr früherer Bewohner, unser Lehrer und Genosse Hans Heinz Holz ist tot. Er verstarb am 11. Dezember 2011.

Holz, der in Nazihaft zum ersten Mal mit Marxismus und Klassenkampf in Berührung kam, war ein Leben lang „Unterwegs zu Marx“. Früh legte er sich mit dem akademischen Establishment der restaurierten Bundesrepublik an, bekam keine Promotion in Mainz, Ärger in Bern und einen Skandal zu seiner Berufung in Marburg. Ab 1979 lehrte er in Groningen (Niederlande) die Klassiker der Philosophie und arbeitete zur materialistischen Dialektik.

Hieß es in den 70er Jahren noch „Marx an die Uni“, so folgte Holz in den 90er Jahren hingegen der Parole: „Marxisten in die Partei“. Die Niederlage verlangte eine Analyse und die Versprengten galt es zu sammeln. In zahllosen Beiträgen verteidigte er die Theorie Lenins vor der wachsenden Partei der nicht-mehr Marxisten, während die unsrige den Verhältnissen gemäß zusammenschrumpfte. Zwanzig Jahre später ist sein Anliegen, genauso wie das Ergebnis dieser Arbeit, mehrere wirkungsmächtige Broschüren zur Weltanschauung der Kommunisten und zur Theorie des Sozialismus, immer noch aktuell.

Seine politische Arbeit hatte sein Pendant in einer angestrengten theoretischen Arbeit, die nichts weniger forderte als eine Grundlegung der Dialektik. Vorbild war ihm das intensive Studium Lenins nach dem Zusammenbruch der II. Internationale, besonders dessen Bemühen, sich die Methode zur Vollendung und Verwirklichung der Philosophie anzueignen. In der Spiegel-Metapher, die sich in verschiedenen Variationen nicht nur durch die blauen und braunen Bände, sondern auch durch die Werke von Leibniz und Hegel zieht, fand er die Fundamentalkategorie der materialistischen Dialektik. In ihr drückt sich die Struktur des Verhältnisses von Denken und Sein, d.h. der Grundfrage der Philosophie, aus. Und mit ihr kann das Verhältnis von Theorie und Praxis als wechselseitige, doppelte Widerspiegelung begriffen werden.

Im Unterschied zu seinem philosophischen Hauptwerk ist seine politische Aufgabe, die Krise der Marxisten zu überwinden, unvollendet geblieben. Es liegt nun an uns, diese Arbeit weiterzuführen, indem wir uns an das Studium seines Werkes und die geforderte „Aufhebung der Philosophie“ machen. Mit Hans Heinz Holz verlieren wir einen der wichtigsten Theoretiker und Politiker des wissenschaftlichen Sozialismus. Wir haben ihm für seinen Einsatz zu danken.

SDAJ

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