Univ. Prof. i. R. Dr. Gerhard Oberkofler: Es gibt Engel!
Die Dekane einer Universität sind mit dem Rektorenteam und dem Senat für die Öffentlichkeit Repräsentanten der wissenschaftlichen Atmosphäre von österreichischen Universitäten. Nach innen können Dekane großen Einfluss auf die Gestaltung nicht nur ihrer Fakultät nehmen wie zum Beispiel bei der Kaderbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Es mag richtig sein, dass sich Dekane mit ihren Fakultätsanliegen direkt an die Öffentlichkeit wenden.
An der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ist der 1975 in Lublin zum römisch-katholischen Priester gewählte und hier seit 1996 als "Dogmatiker" tätige Dekan der römisch-katholisch theologischen Fakultät Józef Niewiadomski, seit 2000 auch Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, in vielfältiger Weise als Propagandist seiner Fakultät tätig. 2009 wurde er von wem und wozu immer zum Botschafter der Friedensglocke des Alpenraumes ernannt. Hochwürden Niewiadomski ist regional und international ein gesuchter akademischer Prediger, wie aus der von der Universität Innsbruck bzw. vom österreichischen Volk bezahlten Homepage zu ersehen ist.
In Tirol gibt es seit Jahren die in Hochglanz zehnmal im Jahr erscheinende, illustrierte Zeitschrift "Tirolerin", die in Wartezonen wie von Ärzten oder Friseuren aufgelegt wird. Da lässt sich so manches verkaufen. Von Inseraten lebend wird für Bordelle ebenso Werbung gemacht wie für Möbelgeschäfte oder Nobellokale für die Tiroler Kleinbourgeoisie. Zur Auflockerung zwischen den Fotos dient Besinnliches, sei es von Altbischof Reinhold oder diesmal eben von Dekan Niewiadomski. Dieser präsentiert mit Porträtfoto in der Dezember 10 / Jännerausgabe 11 dieser Illustrierten ein Endergebnis seiner in die Tiefe gehenden Forschungen: "Aus theologischer und christlicher Sicht gibt es Engel". Und: "Engel sind Personalitäten, die nicht materiell gebunden sind". Gott, den gibt’s natürlich auch noch, greife durch die vermittelnden Instanzen der Engel ein: "Engel dienen also der Qualitätserhöhung der Kommunikation zwischen Gott und den Menschen". Hat das der Katholiken-Gott wirklich notwendig? Da die "Tirolerin" quasi auch wissenschaftliches Forum ist, will die Redaktion das Forschungsergebnis von Dekan Niewiadomski nicht allein so stehen lassen, sondern holt zur Bestätigung die Meinung anderer, diesem gleichwertiger Koryphäen ein, und zwar jene eines "Paranormologen" ("Auch der Teufel ist ein Engel"), der sich freut, dass die Engel wieder in die Religion kommen, einer Künstlerin ("Nicht ich male, sondern es malt"), die immer wieder innere Schauungen hat, und einer Esoterikerin ("Ich arbeite mit der Energie der Engel"), die ihre Ausbildung bei einer anderen österreichischen Engel-Spezialistin absolviert hat.
Dekan Niewiadomski von der Universität Innsbruck erklärt auch, was eine "gesunde Engelstheorie" in unserem Jahrhundert ist: "Ganz gleich, wo ich bin, in welcher Gefahr ich bin, ich darf mich getragen fühlen". Nur verselbständigen dürfe sich die Engelverehrung nicht. Zur definitiven Bestätigung dieser seiner wissenschaftlichen, mit der Autorität der Universität Innsbruck vertretenen Auffassung führt Dekan Niewiadomski noch sein Alter ins Treffen: "Je älter ich werde, desto mehr besinne ich mich auf die Wirklichkeit der Engel". Das kann der wartende Leser nur noch seufzen: "Wer es fassen kann, der fasse es".






