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Colombos Krieg: LTTE-Appell für Waffenruhe

Der Krieg Colombos gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), der Guerilla der tamilischen Bevölkerung im Norden Sri Lankas, ging auch am Wochenende unvermindert weiter. Dabei gab es erneut Dutzende Opfer in der Zivilbevölkerung, da die Regierungstruppen ein Krankenhaus im umkämpften Rebellengebiet mit Granaten beschossen hatten. 64 Zivilisten seien getötet und 87 weitere verletzt worden, berichtete die tamilische Website TamilNet. Das Krankenhaus ist demzufolge die einzige noch verbliebene medizinische Einrichtung im Rebellengebiet. Sri Lankas Außenminister Rohitha Bogollagama dementierte, wie bei ähnlichen Übergriffen der Vergangenheit, umgehend: An den Berichten sei »überhaupt nichts Wahres«.
»Solange die Unterdrückung fortdauert, wird sich Widerstand regen«


Ebenfalls am Samstag veröffentlichte die LTTE einen dramatischen Appell. Darin wurden Frankreich und Großbritannien gebeten, sich weiter für einen Waffenstillstand einzusetzen. Die Befreiungsbewegung sei bereit, »Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung des Konflikts« aufzunehmen, schrieb der politische Führer der LTTE, Balasingham Nadesan, in einem Brief an den britischen und den französischen Außenminister. Die srilankische Regierung blieb stur: Ein Waffenstillstand wird weiterhin ablehnt. In dem rund fünf Kilometer langen Streifen an der Nordostküste der Insel, der von Colombos Armee mit schweren Waffen attackiert wird, sind Schätzungen zufolge etwa 50000 Menschen eingeschlossen.

Der französische UN-Bot­schafter hatte am Donnerstag die Regierung Sri Lankas ermahnt, »sich zu benehmen und zu ihren Verpflichtungen« gegenüber den Zivilisten in der Konfliktzone und den Flüchtlingen zu stehen.

Mitte der Woche hatte es zwischen dem Präsidenten und den Außenministern Großbritanniens und Frankreichs, die zu einer vergeblichen »Friedensmission« in Sri Lanka weilten, einen scharfen Wortwechsel gegeben. Auf das Gesuch der beiden Gäste um eine »humanitäre Waffenruhe« soll Staatschef Mahinda Rajapakse erwidert haben: »Wir brauchen keine Lektionen von westlichen Repräsentanten.«

Die UNO fordert Zugang ihrer Hilfsagenturen zur Kriegszone. Die Lebensbedingungen der dort Festsitzenden, besonders der Kranken und Verletzten, so wiederholte das Internationale Rote Kreuz, seien katastrophal. Indien hat sich adem internationalen Ruf angeschlossen, die Arbeit von Hilfsorganisationen in den Notlagern, in denen mehr als 100000 Flüchtlinge unter primitiven Verhältnissen hausen, nicht zu behindern.

Von Hilmar König, Neu-Delhi [Junge Welt; 04.05.09]