Mit einer deutlichen Mehrheit haben die Menschen in Bolivien heute für die Annahme der neuen Verfassung gestimmt. Vorläufigen Ergebnissen zufolge, die der lateinamerikanische Nachrichtensender TeleSur verbreitet, stimmten 61,85 Prozent der Bolivianerinnen und Bolivianer für die Verfassung, mit der das Land neu begründet werden soll. 36,45 Prozent stimmten demnach mit »Nein«, während die übrigen sich enthielten oder leere Stimmzettel abgaben.
Die Privatsender Red Uno und Initel sehen das »Ja« bei 60 Prozent, während etwa 40 Prozent mit »Nein« gestimmt haben. Bei der parallel zur Abstimmung gestellten Frage, ob künftig privater Großgrundbesitz bis zu 10.000 oder nur bis zu 5000 Hektar erlaubt ist, stimmten diesen beiden Sendern zufolge mehr als drei Viertel der Wählerinnen und Wähler für den geringeren Wert.
Auch dem staatlichen Fernsehen TVB zufolge stimmten im ganzen Land 60 Prozent für und 40 Prozent gegen die Verfassung. In La Paz lag die Unterstützung bei 78 Prozent, in Oruro bei 71%. In Potosí liegt das »Ja« bei 74 Prozent, in Tarija nur bei 44 Prozent. Chuquisaca meldet fast ein Patt von 49 Prozent »Ja« gegen 51 Prozent »Nein«. Während in Cochabamba 63 Prozent »Ja« sagten, stimmte in Santa Cruz eine 67-Prozent-Mehrheit gegen die Verfassung. In Beni liegt das »Nein« sogar bei 70 Prozent, in Pando bei 60 Prozent. Damit haben sich in den von der Opposition kontrollierten Provinzen des »Halbmonds« erneut die Regierungsgegner durchgesetzt.
Oppositionspolitiker aus diesen Provinzen hatten bereits gedroht, die neue Verfassung nicht anerkennen zu wollen, wenn sie in »ihren« Departments abgelehnt wird. Präsident Evo Morales hatte daraufhin gewarnt, dass der Staat die Umsetzung der neuen Gesetzlichkeit im ganzen Land durchsetzen werde.
Für die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hob deren Delegationsleiter Raúl Lago das Klime der Ruhe und des Respekts während des Abstimmungsprozesses hervor. »Wir haben keine Informationen über gewaltsame Zwischenfälle und auch bislang keine einzige Beschwerde erhalten«, sagte er.
Die bislang gültige Verfassung datiert aus dem Jahr 1967 und wurde 1994 und 2004 teilweise geändert. Es war aber das erste Mal in der Geschichte Boliviens, dass die Menschen über eine neue Verfassung abstimmen konnten.
Boliviens Präsident Evo Morales erwartet Regierungssprechern zufolge in der Präsidentenresidenz in La Paz die offiziellen Ergebnisse, die der Nationale Wahlgerichtshof (CNE) noch im Verlauf der Nacht veröffentlichen will.
KomInform
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