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Boykott angedroht

Bericht des ORF Sport
Dass Fußball in Spanien als Ventil für Unabhängigkeitsbestrebungen dient, ist nicht neu. Seit Jahren tummeln sich etwa baskische Separatisten auf dem grünen Rasen. So dürfen beim Erstligisten Athletic Bilbao nur Fußballer baskischer Herkunft spielen. Bisher hauptsächlich ein "spanisches Problem", beschäftigen nun interne Auffassungsunterschiede, wie weit der Begriff "Baskenland" ausgedehnt werden soll, auch das Nachbarland Frankreich.

Die baskischen "Nationalspieler" geben sich nämlich durchaus polemisch und weigern sich, ein Freundschaftsspiel am 23. Dezember gegen den Iran zu bestreiten, sollten sie unter der Bezeichnung "Euskadi" antreten müssen. Das verwundert zunächst, denn immerhin ist das die baskische Bezeichnung für das Baskenland. Genau genommen steht der Begriff freilich für das "spanische Baskenland", das auf Spanisch als "Pais Vasco" bezeichnet wird.

Die Spieler allerdings wollen wie die Jahre zuvor als Auswahl von "Euskal Herria" auf dem Platz stehen. Das heißt zwar auch Baskenland, umfasst allerdings im Gegensatz zu "Euskadi" das gesamte Gebiet des historischen Baskenlandes, wozu auch das französische Baskenland ("Iparralde") und die spanische Autonomie Navarra gehören.

Nach Protesten der spanischen und französischen Fußballverbände sowie seitens der Autonomieregierung von Navarra änderte der baskische Fußballverband heuer seinen Namen in "Euskadi".

Damit sind aber 145 separatistische Fußballer aus dem Baskenland nicht zufrieden, sie unterstützen den Protest der Auswahlspieler. Unter den Kickern befinden sich vor allem Spieler von Athletic Bilbao sowie von Zweit- und Drittligisten wie Real Sociedad, Alaves und Aduriz.

Inaki Dobaran, der Präsident des baskischen Verbands, hat bereits angekündigt, dass die Forderungen der baskischen Spieler nicht erfüllt werden und die autonome Auswahl weiterhin als "Euskadi" auflaufen muss. Nun steht das Freundschaftsspiel gegen den Iran kurz vor Weihnachten auf der Kippe.

In Spanien selbst sorgt die baskische Auswahl mit ihren Bestrebungen, beim Weltfußballverband (FIFA) als eigenständige Nationalmannschaft geführt zu werden, schon länger für Aufsehen und in gewissen Kreisen sogar für Ärgernis.

Das Thema kommt alle Jahre wieder rund um Weihnachten aufs Tapet. Zu den Feiertagen bestreiten traditionell neben den Basken auch Auswahlteams von Katalonien, Galicien, Andalusien und den Kanarischen Inseln eigenständige "Länderspiele".

Die Regierungen Kataloniens, des Baskenlands sowie Galiciens fordern schon länger offiziell die Anerkennung eigener "Nationalmannschaften", um nach dem Beispiel Großbritanniens, wo England, Schottland, Wales und Nordirland separat am Ball sind, an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen zu können. Das lehnt die spanische Regierung - egal ob sie nun von der konservativen Volkspartei (PP) oder den Sozialisten (PSOE) geführt wird - seit Jahren ab.

Zuletzt war im September 2007 ein entsprechender Antrag durchgefallen. Auch die Forderung, baskische und katalanische Vereine separat bei europäischen Clubbewerben starten zu lassen, fand keine Zustimmung. Solange Madrid in diesen Fragen hart bleibt, haben Katalonien, Euskadi (oder Euskal Herria) und Galicien keine Chance, von internationalen Verbänden wie der FIFA oder der UEFA anerkannt zu werden.

Die Regierung fürchtet aber einen Schneeballeffekt, immerhin streben separatistische Kräfte in Euskadi und Catalunya eine weitergehende Eigenständigkeit von Madrid an. In Katalonien wurde sogar ein Unabhängigkeitsreferendum im Jahr 2014 angedacht.

Der baskische Regierungschef Juan Jose Ibarretxe (PNV) plante für Mitte Oktober eine ähnliche Volksabstimmung, die von der Justiz jedoch als verfassungswidrig verboten wurde. Eine baskische Mehrheit für eine Abspaltung von Spanien erscheint derzeit aber eher unwahrscheinlich.

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