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Saddam Hussein hingerichtet

Am Samstagmorgen ist im Irak der Ex-Präsident des Landes, Saddam Hussein, hingerichtet worden. Das wurde erwartet, dennoch haben viele Menschen bis zum Ende nicht an die Vollstreckung des Todesurteils geglaubt. Die Mehrheit der Iraker hat sich die ganze Nacht nicht schlafen gelegt, weil sie die Nachricht über die Hinrichtung Husseins erwartete.

Siehe auch:
Werner Pirkers Kommentar vor der Hinrichtung
sowie Diverse Stellungnahmen auf der Homepage www.AIKor.de

Die Hinrichtung fand einige Minuten vor sechs Uhr früh statt. Das Urteil wurde somit noch vor dem heute beginnenden wichtigsten islamischen Feiertag Id al-Fitr (Opferfest) vollstreckt. Nach Berichten von Augenzeugen verhielt sich Hussein bei der Prozedur würdevoll. Er habe es abgelehnt, mit verhülltem Kopf zu sterben. Den Angaben zufolge sprach Saddam unmittelbar vor seiner Hinrichtung das muslimische Glaubensbekenntnis "Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet".

Später zeigten arabische Fernsehsender Bilder von den letzten Minuten des einstigen irakischen Präsidenten. Äußerlich sah er gefasst aus.

Der ehemalige irakische Diktator und zwei Mitglieder seines regierenden Regimes -der frühere irakische Geheimdienstchef Barsan at-Tikriti und der ehemalige Vorsitzende des Revolutionstribunals Awwa al-Bandar - wurden am 5. November durch das Oberste irakische Straftribunal zum Tod durch Erhängen verurteilt. Am vergangenen Dienstag lehnt ein irakisches Berufungsgericht die Begnadigung Husseins und eine Neuaufnahme des Verfahrens ab und ließ das ergangene Urteil in Kraft.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete die Hinrichtung als einen bedeutsamen Schritt weg von den Menschenrechten. Das Verfahren gegen Saddam habe schwere Mängel aufgewiesen, heisst es in einer Erklärung der Organisation vom Freitagabend.

Der irakische Premier Nuri al-Maliki trat mit einer speziellen Erklärung zur Hinrichtung Husseins an die Öffentlichkeit. Er beglückwünschte alle Iraker zur "Hinrichtung des Verbrechers Saddam". Die einst regierende und nun aufgelöste BAATH-Partei hatte vor der Hinrichtung mit neuen Anschlägen gedroht, sollte das Todesurteil gegen Hussein vollstreckt werden.

US-Präsident George Bush nannte die Hinrichtung einen "wichtigen Meilenstein auf dem Weg des Iraks zur Demokratie". Das französische Außenministerium erklärte, dass es die Hinrichtung Husseins "zur Kenntnis genommen" habe und rief die Iraker auf, in die Zukunft zu schauen. Großbritanniens Außenministerin Margaret Beckett betonte, dass die britische Regierung die Todesstrafe nicht unterstütze und für ihre Abschaffung weltweit eintrete, sie allerdings "das Recht einer souveränen Nation achtet". Der offizielle Vertreter des russischen Außenministeriums, Michail Kamynin, drückte sein Bedauern im Zusammenhang mit der Todesstrafe Husseins aus. Er warnte davor, dass die Hinrichtung des früheren irakischen Präsidenten die militärische und politische Situation im Irak und das Anwachsen der ethnisch-konfessionellen Spannungen verschärfen könne. Die Europäische Union verurteilte die Hinrichtung Husseins ebenfalls. EU-Entwicklungshilfekommissar Louis Michel sagte, die Vollstreckung des Urteils könnte Saddam zu einem Märtyrer machen: "Die Todesstrafe ist mit einer Demokratie nicht vereinbar."Der Vatikan nannte den Vorfall ein "tragisches Ereignis". Lybien erklärte eine dreitägige Staatstrauer für Hussein. Die Führung des Landes nannte Hussein einen Kriegsgefangenen. Muslimische Pilger in Mekka verurteilten die Hinrichtung am islamischen Opferfest als eine Verletzung ihrer religiösen Gefühle. Die Taliban in Afghanistan erklärten, Saddams Hinrichtung werde die Moral muslimischer Kämpfer stärken. Das iranische Außenministerium prognostiziert eine Eskalation der Spannungen im Irak.

Wie zur Bestätigung dieser Prognose detonierte einige Stunden nach der Hinrichtung Saddam Husseins in der irakischen Stadt El-Kufa, wo vorwiegend Schiiten wohnen, eine Bombe. Den letzten Angaben zufolge starben bei dem Anschlag 30 Menschen, weitere 45 wurden verletzt.

Der Platz, wo Hussein beerdigt werden soll, ist bislang unbekannt. Nach Angaben irakischer Quellen könnte seine Leiche später den Angehörigen übergeben werden. Die Anwälte, die zuvor Husseins Interessen vertreten hatten, befürchten allerdings, dass der frühere irakische Präsident heimlich in einem namenlosen Grab verscharrt werden könne. Die Tochter von Saddam Hussein, Ragad, hat sich mit der Bitte an den jemenitischen Präsidenten Alu Abdalla Salehu gewandt, die irakischen Behörden offiziell um eine Herausgabe der Leiche ihres Vaters zu ersuchen, damit dieser zeitweise auf jemenitischem Boden beigesetzt werden könne. Dabei erklärte Ragad, dass sie hoffe, später einmal ihren Vater in dessen Heimatstadt Tikrit beerdigen zu können. Gleichzeitig gibt es bereits erste Informationen darüber, dass die irakische Führung die Bitte Ragads um Herausgabe der Leiche ihres Vaters abgelehnt hat. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist Saddam Hussein der zweite politische Führer, der nach dem Fall seines Regimes hingerichtet wurde. 1996 richteten die Taliban nach der Einnahme Kabuls den Ex-Präsidenten von Afghanistan Mohammed Nadschibullah hin.

Quellen: RIA-Novosti, Swiss info

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