Volker Bräutigam [UZ]: Endet die Dollar-Hegemonie? Teil 2
Warum wechseln die Asiaten im Handelsverkehrs vorsichtig aus dem US-Dollar in den Euro - und nicht, beispielsweise, wieder zurück zum Gold ?
Der Goldpreis schwankt heftig, aber er steigt. Er ist zwar in London, Delhi, Hongkong, Tokio und New York, um nur die wichtigsten Börsenplätze für das Edelmetall zu nennen, bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma gleich - zur Zeit werden durchschnittlich 550 US-Dollar für die Unze Feingold verlangt -, aber mehr als zwei Drittel aller Goldvorkommen sind bereits abgebaut, die Produktion wird, bei zunehmender Schädigung und Gefährdung der Umwelt, teurer und weniger ergiebig. Zugleich steigt die Nachfrage. Gold wird gebraucht für hochkomplexe Industriegüter, für die Medizintechnik und die Schmuckindustrie, und es dient, weil es wertbeständiger ist als inflationsgefährdetes Papiergeld, auch als Reserve für Staatsbanken und für private Kapitalanleger. Es ist nicht mehr in solchen Mengen verfügbar, dass man es noch als Zahlungsmittel im gesamten Welthandel verwenden könnte. Alle Goldminen und Goldaktien der Welt zusammen haben einen Marktwert von 110 Milliarden US-Dollar - weniger als die Firma Microsoft -, und die geschätzten 33 000 Tonnen Gold aller Staatsbanken summieren sich auf einen Wert von derzeit rund 580 Milliarden US-Dollar.
Auch der Ölpreis steigt, mit noch häufigeren und mindestens ebenso starken Ausschlägen wie der Goldpreis. Zur Zeit werden 60 US-Dollar pro Barrel (=159 Liter) erzielt. Innerhalb von fünf Jahren hat der Ölpreis um mehr als 80 Prozent zugelegt. Marktwirtschaftler erklären das mit erheblich steigender Nachfrage bei annähernd gleich gebliebener Ölfördermenge sowie mit Spekulation.
Im Unterschied zu den Weltmärkten für Gold oder Kupfer, Kakao oder auch Uran gibt es auf dem Ölmarkt keine genauen Angaben über die Fördermengen. Die Ölstaaten (auch die, die nicht der Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC, angehören) bremsen Rechercheversuche aus. Wenn Saudi-Arabien verkündet, es wolle den Ölpreis stabilisieren und erhöhe deshalb die Tagesförderung von neun auf elf Millionen Barrel, dann kann das niemand überprüfen. Selbst die multinationalen Ölgesellschaften bekommen nur vage Angaben. Ein gefundenes Fressen für Spekulanten.
Präzise ist hingegen die Statistik des globalen jährlichen Ölverbrauchs. 2005 lag er bei 3,8 Milliarden Tonnen (1 Tonne = 1 110,7 Liter). 920 Millionen Tonnen verbrauchten die USA, der Welt größter Energieverschwender. Es folgten die Volksrepublik China mit 270 Millionen, Japan mit 155 Millionen, die Russische Föderation mit 150 Millionen und Deutschland mit 130 Millionen Tonnen.
Die Ölmultis Exxon, BP und Shell teilten mit, weltweit gebe es nur noch 171,7 Milliarden Tonnen bestätigte Ölreserven. Alle Experten schließen aus, dass irgendwo auf der Erde noch neue große Ölfelder entdeckt werden könnten. Die letzten bedeutenden Funde wurden vor 25 Jahren in der Kaspischen Region gemacht. Vorausgesetzt, die noch vorhandenen Lagerstätten ließen sich bis zum letzten Tropfen leeren und der Verbrauch steige nicht mehr wesentlich an (beide Prämissen sind unrealistisch), dann verfügt die Menschheit noch für 171,7:3,8 = 45 Jahre über den kostbaren Rohstoff Öl.
Doch diese Berechnung der engen zeitlichen Grenzen des Ölkonsums erklärt die Preisgestaltung am Ölmarkt bei weitem nicht. Viele Faktoren - rationale, ökonomische, politische und spekulative - wirken dort mit: aktuelle Nachfrage, zum Verkauf stehende Mengen, Füllstand der Lager, Transportkapazitäten, Kriegsereignisse, politische Stabilität, Besitzverhältnisse über Ölquellen - und der fiktive Wert des Zahlungsmittels. Die Preise im Ölhandel werden in Dollar ermittelt und ausgedrückt, nicht erst seit 1971. Der Ölpreis wiederum ist einer der Faktoren bei der Wertermittlung der globalen Leitwährung Dollar. Eine Wechselbeziehung, die in ihrer Verfilztheit alle marktwirtschaftlichen Grundsätze verhöhnt.
Dollar-Inflation und Wirtschaftskrise
1971 war nicht, wie heute noch oft behauptet wird, das Jahr der ersten großen Ölkrise. In jenem Jahr bescherten die USA dem Rest der Welt eine Dollar-Inflation und in deren unmittelbarer Folge eine Wirtschaftskrise. Sie drückte sich zuerst in einer Ölpreisexplosion trotz eines Überangebots an Öl aus. Verantwortlich war der damalige US-Präsident Richard Nixon. Er hatte, Rechtsbruch hin oder her, auf alle internationalen Verpflichtungen seines Landes gepfiffen und der US-Notenbank die Rücknahme von Dollar gegen Gold verboten. Die USA, infolge des Vietnam-Kriegs praktisch bankrott, zahlten nur noch mit Papiergeld oder mit Schuldverschreibungen und Schatzbriefen ihrer Notenbank.
Die Folge: Inflationsängste und gesteigerter Verkaufsdruck auf die Dollardevisen. Es gab Klagen, die US-Notenbank FED bringe erheblich mehr Papiergeld in Umlauf als offiziell mitgeteilt. Dergleichen Gerüchte konnten nie eindeutig widerlegt werden und kamen erst jüngst, als Alan Greenspan nach 18 Dienstjahren an der Spitze der FED in Rente gegangen war, in konkreterer Form erneut auf.
Da erscheint es als ein schlechter Witz, dass die USA Nordkorea, einem der von ihnen auf der "Achse des Bösen" verorteten Länder, nicht nur die Entwicklung von Atomwaffen vorwerfen, sondern auch unterstellen, Dollars zu drucken und in den Handel zu bringen.
"Petro-Dollar" statt "Gold-Dollar"
Bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 hatte der US-Dollar "Golddeckung": Der Kaufwert der umlaufenden US-Devisen entsprach dem Warentauschwert des staatlichen Goldschatzes. Washington gab die Golddeckung 1933 zunächst nur für den inländischen Geldverkehr auf und verbot den US-Bürgern damals sogar den privaten Goldbesitz. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs beschlossen die USA dann zusammen mit fast 40 weiteren Staaten in dem kleinen Ort Bretton Woods ein Weltwährungssystem mit starren Wechselkursen zum Dollar. Der Dollarwert wurde nicht mehr auf den tatsächlich vorhandenen Goldschatz der USA bezogen, sondern auf eine Zahlungsverpflichtung der US-Notenbank in Gold (1 Unze Feingold gegen 35 zurückzukaufende US-Dollar). Ein asymmetrisches System zugunsten der USA, das nur ein Vierteljahrhundert hielt.
In dieser Zeit importierten die USA weit mehr Warenwerte aus aller Welt, als sie exportierten, und finanzierten zugleich ihren Koreakrieg, den Vietnamkrieg sowie zwei Dutzend weitere, mehr oder weniger heimliche Kriege damit, dass sie immer größere Mengen "ungedeckte" Dollar druckten und in Umlauf brachten. Die so erzeugte Inflation, behaupten der Kongressabgeordnete Ron Paul und viele andere Kritiker, war im Grunde nichts anderes als eine Sondersteuer für einen höheren, nicht selbst erarbeiteten Lebensstandard in den USA und für die imperialen Interessen des Landes. Eine Sondersteuer, zu zahlen vom Rest der Welt.
Als feststand, dass die USA weder willens noch in der Lage waren, für bereits bezogene Waren und Dienstleistungen in reellen Gegenwerten zu bezahlen - die US-Notenbank war 1971 unfähig, Frankreichs Dollarguthaben in Gold einzulösen -, reagierten die Märkte, voran der Ölmarkt. Es folgte die globale Rezession, vernebelnd "Ölkrise" genannt, weil einige erdölexportierende Länder sich geweigert hatten, ihr "Schwarzes Gold" weiter gegen papierene Dollar zu verkaufen; ihr monatelang durchgehaltenes Lieferembargo hatte schwere Folgen für die Weltwirtschaft. Erst 1973 begann ein Erholungsprozess. Die USA schufen als Ersatz für den dahingeschiedenen "Golddollar" und das Wechselkurs- und Zollsystem von Bretton Woods den "Petro-Dollar". Das ging so vor sich: Washington gab dem vom Umsturz bedrohten, korrupten saudischen Königshaus - ein nicht minder blutrünstiges Regime als das des Saddam Hussein - sowie der saudischen Ölgesellschaft ARAMCO militärische Schutzgarantien. Genauer: Die USA verzichteten offiziell darauf, in Saudi-Arabien einzumarschieren und die dortigen Ölfelder militärisch zu besetzen. Im Gegenzug verpflichtete sich Riad, Öl nur noch gegen papierene US-Dollar zu verkaufen. Eine Form von Schutzgeld-Erpressung auf internationaler Ebene.
Saudi-Arabien, der Weltmarktführer im Ölgeschäft, förderte schon damals rund ein Viertel des globalen Ölbedarfs. Die übrigen OPEC-Staaten, die, wie zum Beispiel die arabischen Emirate, ebenfalls am US-"Schutz" für ihre diktatorischen Eliten interessiert waren, schlossen sich dem Übereinkommen der Saudis mit den USA an. Das machte den Dollar wieder stabil.
Der Dollar blieb Leitwährung und war jetzt "ölgestützt" - eine nach Ansicht vieler Experten törichte Vorstellung: Die Wechselbeziehungen zwischen den Währungen seien nicht auf so simple Weise zu klären, das Geschehen auf der Welt größtem und bedeutendstem Markt, dem für Öl und Gas, sei zwar ein wichtiger Faktor, aber nicht allein wertbestimmend für den US-Dollar.
Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass nur knapp 20 Prozent des in den USA verbrauchten Öls aus nahöstlichen Ländern (Saudi-Arabien, Kuwait, Emirate, Irak, Iran) stammen. 15 Prozent sprudeln aus lateinamerikanischen Quellen (überwiegend Venezuela und Mexiko), sieben bis acht Prozent aus kanadischen und US-amerikanischen Lagerstätten. Mehr als die Hälfte ihres Bedarfs decken die USA in Westafrika (vorrangig in Nigeria). Die Lieferungen von dort sind für Washington weitaus preisgünstiger als der Einkauf arabischen Öls. In Westafrika fördern US-Multis selber, und zwar zu niedrigsten Kosten auf der Grundlage von Knebelverträgen.
Neuen Überlegungen, ein "Petro-Euro" könne den "Petro-Dollar" allmählich ablösen und schließlich der Leitwährungsfunktion des US-Dollar den Rest geben, vielleicht gar das Imperium USA einstürzen lassen, treten international tätige Banker wie der Franzose Jerome a Paris und Wissenschaftler wie der US-Amerikaner James D. Hamilton entschieden entgegen. J. a Paris behauptet, eine iranische Ölbörse werde auch diesmal nicht zustande kommen (womit er bisher Recht behielt), es werde folglich bei der Londoner International Petrol Exchange (IPE) und der New York Mercantile Exchange (NYMEX) als einzigen Handelsplätzen für Öl bleiben. Ein neuer Ölmarkt auf Eurobasis werde allenfalls eine Nische im Weltölmarkt darstellen. Und wie Hamilton glaubt a Paris, dass der Devisenmarkt den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar "vernünftig" ausgleichen werde, falls iranisches Öl auch gegen Euro erhältlich sein sollte.
Hamilton räumt allerdings ein, dass ein solcher Ausgleich zu Lasten des Dollarkurses gehen werde und den Kurs des Euro steigen lasse. Längerfristig könne ein Wertverlust des Dollar Macht und politische Stabilität der arabischen Herrscherhäuser bedrohen. Zudem drohe Gefahr, wenn ein geschwächter Dollar die ohnehin negative Leistungsbilanz der USA verschlechtere - wenn nämlich die Vereinigten Staaten fortgesetzt mehr importierten als exportierten und den Importüberschuss mit immer höheren Summen ihrer kränkelnden Währung bezahlen müssten.
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V. B. wies zu Jahresbeginn auf die Hintergrunddebatte zum "Atomstreits" hin. Mit freundlicher Genehmigung der Zweiwochenschrift Ossietzky hat er seine dort veröffentlichte Artikelserie für die UZ aktualisiert - Zwischenüberschriften UZ
Folge 3 erscheint in der UZ am 26. Mai
Der Goldpreis schwankt heftig, aber er steigt. Er ist zwar in London, Delhi, Hongkong, Tokio und New York, um nur die wichtigsten Börsenplätze für das Edelmetall zu nennen, bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma gleich - zur Zeit werden durchschnittlich 550 US-Dollar für die Unze Feingold verlangt -, aber mehr als zwei Drittel aller Goldvorkommen sind bereits abgebaut, die Produktion wird, bei zunehmender Schädigung und Gefährdung der Umwelt, teurer und weniger ergiebig. Zugleich steigt die Nachfrage. Gold wird gebraucht für hochkomplexe Industriegüter, für die Medizintechnik und die Schmuckindustrie, und es dient, weil es wertbeständiger ist als inflationsgefährdetes Papiergeld, auch als Reserve für Staatsbanken und für private Kapitalanleger. Es ist nicht mehr in solchen Mengen verfügbar, dass man es noch als Zahlungsmittel im gesamten Welthandel verwenden könnte. Alle Goldminen und Goldaktien der Welt zusammen haben einen Marktwert von 110 Milliarden US-Dollar - weniger als die Firma Microsoft -, und die geschätzten 33 000 Tonnen Gold aller Staatsbanken summieren sich auf einen Wert von derzeit rund 580 Milliarden US-Dollar.
Auch der Ölpreis steigt, mit noch häufigeren und mindestens ebenso starken Ausschlägen wie der Goldpreis. Zur Zeit werden 60 US-Dollar pro Barrel (=159 Liter) erzielt. Innerhalb von fünf Jahren hat der Ölpreis um mehr als 80 Prozent zugelegt. Marktwirtschaftler erklären das mit erheblich steigender Nachfrage bei annähernd gleich gebliebener Ölfördermenge sowie mit Spekulation.
Im Unterschied zu den Weltmärkten für Gold oder Kupfer, Kakao oder auch Uran gibt es auf dem Ölmarkt keine genauen Angaben über die Fördermengen. Die Ölstaaten (auch die, die nicht der Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC, angehören) bremsen Rechercheversuche aus. Wenn Saudi-Arabien verkündet, es wolle den Ölpreis stabilisieren und erhöhe deshalb die Tagesförderung von neun auf elf Millionen Barrel, dann kann das niemand überprüfen. Selbst die multinationalen Ölgesellschaften bekommen nur vage Angaben. Ein gefundenes Fressen für Spekulanten.
Präzise ist hingegen die Statistik des globalen jährlichen Ölverbrauchs. 2005 lag er bei 3,8 Milliarden Tonnen (1 Tonne = 1 110,7 Liter). 920 Millionen Tonnen verbrauchten die USA, der Welt größter Energieverschwender. Es folgten die Volksrepublik China mit 270 Millionen, Japan mit 155 Millionen, die Russische Föderation mit 150 Millionen und Deutschland mit 130 Millionen Tonnen.
Die Ölmultis Exxon, BP und Shell teilten mit, weltweit gebe es nur noch 171,7 Milliarden Tonnen bestätigte Ölreserven. Alle Experten schließen aus, dass irgendwo auf der Erde noch neue große Ölfelder entdeckt werden könnten. Die letzten bedeutenden Funde wurden vor 25 Jahren in der Kaspischen Region gemacht. Vorausgesetzt, die noch vorhandenen Lagerstätten ließen sich bis zum letzten Tropfen leeren und der Verbrauch steige nicht mehr wesentlich an (beide Prämissen sind unrealistisch), dann verfügt die Menschheit noch für 171,7:3,8 = 45 Jahre über den kostbaren Rohstoff Öl.
Doch diese Berechnung der engen zeitlichen Grenzen des Ölkonsums erklärt die Preisgestaltung am Ölmarkt bei weitem nicht. Viele Faktoren - rationale, ökonomische, politische und spekulative - wirken dort mit: aktuelle Nachfrage, zum Verkauf stehende Mengen, Füllstand der Lager, Transportkapazitäten, Kriegsereignisse, politische Stabilität, Besitzverhältnisse über Ölquellen - und der fiktive Wert des Zahlungsmittels. Die Preise im Ölhandel werden in Dollar ermittelt und ausgedrückt, nicht erst seit 1971. Der Ölpreis wiederum ist einer der Faktoren bei der Wertermittlung der globalen Leitwährung Dollar. Eine Wechselbeziehung, die in ihrer Verfilztheit alle marktwirtschaftlichen Grundsätze verhöhnt.
Dollar-Inflation und Wirtschaftskrise
1971 war nicht, wie heute noch oft behauptet wird, das Jahr der ersten großen Ölkrise. In jenem Jahr bescherten die USA dem Rest der Welt eine Dollar-Inflation und in deren unmittelbarer Folge eine Wirtschaftskrise. Sie drückte sich zuerst in einer Ölpreisexplosion trotz eines Überangebots an Öl aus. Verantwortlich war der damalige US-Präsident Richard Nixon. Er hatte, Rechtsbruch hin oder her, auf alle internationalen Verpflichtungen seines Landes gepfiffen und der US-Notenbank die Rücknahme von Dollar gegen Gold verboten. Die USA, infolge des Vietnam-Kriegs praktisch bankrott, zahlten nur noch mit Papiergeld oder mit Schuldverschreibungen und Schatzbriefen ihrer Notenbank.
Die Folge: Inflationsängste und gesteigerter Verkaufsdruck auf die Dollardevisen. Es gab Klagen, die US-Notenbank FED bringe erheblich mehr Papiergeld in Umlauf als offiziell mitgeteilt. Dergleichen Gerüchte konnten nie eindeutig widerlegt werden und kamen erst jüngst, als Alan Greenspan nach 18 Dienstjahren an der Spitze der FED in Rente gegangen war, in konkreterer Form erneut auf.
Da erscheint es als ein schlechter Witz, dass die USA Nordkorea, einem der von ihnen auf der "Achse des Bösen" verorteten Länder, nicht nur die Entwicklung von Atomwaffen vorwerfen, sondern auch unterstellen, Dollars zu drucken und in den Handel zu bringen.
"Petro-Dollar" statt "Gold-Dollar"
Bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 hatte der US-Dollar "Golddeckung": Der Kaufwert der umlaufenden US-Devisen entsprach dem Warentauschwert des staatlichen Goldschatzes. Washington gab die Golddeckung 1933 zunächst nur für den inländischen Geldverkehr auf und verbot den US-Bürgern damals sogar den privaten Goldbesitz. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs beschlossen die USA dann zusammen mit fast 40 weiteren Staaten in dem kleinen Ort Bretton Woods ein Weltwährungssystem mit starren Wechselkursen zum Dollar. Der Dollarwert wurde nicht mehr auf den tatsächlich vorhandenen Goldschatz der USA bezogen, sondern auf eine Zahlungsverpflichtung der US-Notenbank in Gold (1 Unze Feingold gegen 35 zurückzukaufende US-Dollar). Ein asymmetrisches System zugunsten der USA, das nur ein Vierteljahrhundert hielt.
In dieser Zeit importierten die USA weit mehr Warenwerte aus aller Welt, als sie exportierten, und finanzierten zugleich ihren Koreakrieg, den Vietnamkrieg sowie zwei Dutzend weitere, mehr oder weniger heimliche Kriege damit, dass sie immer größere Mengen "ungedeckte" Dollar druckten und in Umlauf brachten. Die so erzeugte Inflation, behaupten der Kongressabgeordnete Ron Paul und viele andere Kritiker, war im Grunde nichts anderes als eine Sondersteuer für einen höheren, nicht selbst erarbeiteten Lebensstandard in den USA und für die imperialen Interessen des Landes. Eine Sondersteuer, zu zahlen vom Rest der Welt.
Als feststand, dass die USA weder willens noch in der Lage waren, für bereits bezogene Waren und Dienstleistungen in reellen Gegenwerten zu bezahlen - die US-Notenbank war 1971 unfähig, Frankreichs Dollarguthaben in Gold einzulösen -, reagierten die Märkte, voran der Ölmarkt. Es folgte die globale Rezession, vernebelnd "Ölkrise" genannt, weil einige erdölexportierende Länder sich geweigert hatten, ihr "Schwarzes Gold" weiter gegen papierene Dollar zu verkaufen; ihr monatelang durchgehaltenes Lieferembargo hatte schwere Folgen für die Weltwirtschaft. Erst 1973 begann ein Erholungsprozess. Die USA schufen als Ersatz für den dahingeschiedenen "Golddollar" und das Wechselkurs- und Zollsystem von Bretton Woods den "Petro-Dollar". Das ging so vor sich: Washington gab dem vom Umsturz bedrohten, korrupten saudischen Königshaus - ein nicht minder blutrünstiges Regime als das des Saddam Hussein - sowie der saudischen Ölgesellschaft ARAMCO militärische Schutzgarantien. Genauer: Die USA verzichteten offiziell darauf, in Saudi-Arabien einzumarschieren und die dortigen Ölfelder militärisch zu besetzen. Im Gegenzug verpflichtete sich Riad, Öl nur noch gegen papierene US-Dollar zu verkaufen. Eine Form von Schutzgeld-Erpressung auf internationaler Ebene.
Saudi-Arabien, der Weltmarktführer im Ölgeschäft, förderte schon damals rund ein Viertel des globalen Ölbedarfs. Die übrigen OPEC-Staaten, die, wie zum Beispiel die arabischen Emirate, ebenfalls am US-"Schutz" für ihre diktatorischen Eliten interessiert waren, schlossen sich dem Übereinkommen der Saudis mit den USA an. Das machte den Dollar wieder stabil.
Der Dollar blieb Leitwährung und war jetzt "ölgestützt" - eine nach Ansicht vieler Experten törichte Vorstellung: Die Wechselbeziehungen zwischen den Währungen seien nicht auf so simple Weise zu klären, das Geschehen auf der Welt größtem und bedeutendstem Markt, dem für Öl und Gas, sei zwar ein wichtiger Faktor, aber nicht allein wertbestimmend für den US-Dollar.
Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass nur knapp 20 Prozent des in den USA verbrauchten Öls aus nahöstlichen Ländern (Saudi-Arabien, Kuwait, Emirate, Irak, Iran) stammen. 15 Prozent sprudeln aus lateinamerikanischen Quellen (überwiegend Venezuela und Mexiko), sieben bis acht Prozent aus kanadischen und US-amerikanischen Lagerstätten. Mehr als die Hälfte ihres Bedarfs decken die USA in Westafrika (vorrangig in Nigeria). Die Lieferungen von dort sind für Washington weitaus preisgünstiger als der Einkauf arabischen Öls. In Westafrika fördern US-Multis selber, und zwar zu niedrigsten Kosten auf der Grundlage von Knebelverträgen.
Neuen Überlegungen, ein "Petro-Euro" könne den "Petro-Dollar" allmählich ablösen und schließlich der Leitwährungsfunktion des US-Dollar den Rest geben, vielleicht gar das Imperium USA einstürzen lassen, treten international tätige Banker wie der Franzose Jerome a Paris und Wissenschaftler wie der US-Amerikaner James D. Hamilton entschieden entgegen. J. a Paris behauptet, eine iranische Ölbörse werde auch diesmal nicht zustande kommen (womit er bisher Recht behielt), es werde folglich bei der Londoner International Petrol Exchange (IPE) und der New York Mercantile Exchange (NYMEX) als einzigen Handelsplätzen für Öl bleiben. Ein neuer Ölmarkt auf Eurobasis werde allenfalls eine Nische im Weltölmarkt darstellen. Und wie Hamilton glaubt a Paris, dass der Devisenmarkt den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar "vernünftig" ausgleichen werde, falls iranisches Öl auch gegen Euro erhältlich sein sollte.
Hamilton räumt allerdings ein, dass ein solcher Ausgleich zu Lasten des Dollarkurses gehen werde und den Kurs des Euro steigen lasse. Längerfristig könne ein Wertverlust des Dollar Macht und politische Stabilität der arabischen Herrscherhäuser bedrohen. Zudem drohe Gefahr, wenn ein geschwächter Dollar die ohnehin negative Leistungsbilanz der USA verschlechtere - wenn nämlich die Vereinigten Staaten fortgesetzt mehr importierten als exportierten und den Importüberschuss mit immer höheren Summen ihrer kränkelnden Währung bezahlen müssten.
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V. B. wies zu Jahresbeginn auf die Hintergrunddebatte zum "Atomstreits" hin. Mit freundlicher Genehmigung der Zweiwochenschrift Ossietzky hat er seine dort veröffentlichte Artikelserie für die UZ aktualisiert - Zwischenüberschriften UZ
Folge 3 erscheint in der UZ am 26. Mai


