Willi Weinert »Ich möchte, dass sie Euch alle immer nahe bleiben...«
Die Broschüre kann um 5.- Euro (plus 1,75.- Versandkosten) unter Wilhelm Weinert bestellt werden. Versand erfolgt ab der 4. Juliwoche. Sie ist auch in der Steiermark (BL Graz und BL Leoben) direkt erhältlich.
Neben kurzen Anmerkungen zum Widerstandskampf der Kommunistischen Partei Österreichs wird in dieser Broschüre erstmals seit 1945 eine Opferliste ihres Widerstandskampfes vorgelegt, die mehr als 2000 Namen enthält, die in Österreich oder im Ausland im kommunistischen Widerstand ums Leben kamen oder die Opfer des Faschismus wurden. In der Einleitung der von der Alfred Klahr Gesellschaft und der KPÖ-Steiermark herausgegebenen Broschüre schreibt der Leobner Stadtrat Dr. Werner Murgg im Namen der KPÖ-Steiermark:
„In den mehr als achtzig Jahren ihrer Geschichte hat sich die KPÖ von zwei Grundanliegen leiten lassen: von der Verteidigung der Interessen der Arbeiterinnen- und Arbeiterklasse und dem Bekenntnis zur Souveränität Österreichs. Für diese Ziele wirkte auch ihr jahrzehntelanger Vorsitzender Johann Koplenig, der selbst lange Zeit als führender Funktionär in der Steiermark tätig war. Die damals kleine KPÖ erlangte nach den Ereignissen des Februar 1934 unter den Arbeiterinnen und Arbeitern breitere Unterstützung; nicht zuletzt deshalb, weil sich viele Sozialdemokraten, enttäuscht von der nachgiebigen Haltung ihrer Parteiführung, der illegalen KPÖ zuwandten! Bereits in den Jahren des austrofaschistischen Ständestaates entfaltete die KPÖ eine umfangreiche Widerstandstätigkeit, die 1938, nach der Annexion unseres Landes durch Nazideutschland verstärkt fortgesetzt wurde. Neben Wien war die Steiermark das Bundesland, in welchem der organisierte Widerstandskampf am effektivsten entfaltet wurde. Widerstandsgruppen waren in Betrieben und bei der Eisenbahn tätig, und im obersteirischen Raum waren Kommunistinnen und Kommunisten führend in der Partisanenbewegung aktiv. Namen wie Silvester Heider, Sepp Filz, Anton Wagner oder Max Muchitsch werden für immer im Ehrenbuch unserer Bewegung präsent bleiben. Gerade in der Steiermark war die illegale KPÖ fest in der Arbeiterschaft verankert. Es war nicht zuletzt diese feste Verankerung in den fortschrittlichsten Teilen unseres Volkes, die Kommunistinnen und Kommunisten – trotz blutiger Verfolgung – nicht bange werden ließ, für ein freies, unabhängiges Österreich einzutreten. Heute, am sechzigsten Jahrestag der Gründung unserer Republik, soll auch der hunderten Kommunistinnen und Kommunisten gedacht werden, die ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus und für das Wiedererstehen eines freien, demokratischen Österreich mit dem Leben bezahlen mussten. Von ihnen handelt dieses Buch, das einen großen Beitrag dazu leistet, ihr Andenken im Gedächtnis heutiger und kommender Generationen lebendig zu halten. Die KPÖ-Steiermark erachtet es als besondere Auszeichnung, für das vorliegende Werk, das nun seine zweite, erweiterte Auflage erlebt, die Herausgeberschaft übernehmen zu dürfen. Die KPÖ-Steiermark dankt allen, die das Erscheinen ermöglicht haben.“
Aus der Einleitung:
Anmerkungen zum Widerstandskampf der KPÖ
In der Geschichte der Arbeiterbewegung gab es immer wieder Perioden, in denen sie den Kampf um ihre Rechte und Freiheiten im Geheimen, von den Herrschenden verboten, nur zu oft auch unter extremen Verfolgungen führen musste. Dies gilt im Besonderen für die KommunistInnen. Es gibt keinen Zeitabschnitt seit ihrer Existenz, in dem nicht irgendwo auf der Welt mit allen Mitteln, angefangen von denen des bürgerlich-demokratischen Staates mit seinen subtilen Ausgrenzungsstrategien bis hin zur äußersten Gewaltanwendung, dem Mord, gegen sie vorgegangen wurde. Für die KommunistInnen stand nie die Frage, ob ein Verbot ihrer Organisation gleichzeitig auch das Ende ihrer Tätigkeit sei. Die Geschichte der kommunistischen Bewegung zeigt, dass sie, obschon existenziell bedroht, immer versucht hat, auch mit den geringsten Mitteln für ihre demokratisch-humanistischen Ziele tätig zu sein, und sich nie in eine passive Rolle zurückgezogen hat. Als die »Arbeiter-Zeitung« zu Beginn des Jahres 1936 an die Sozialisten die Aufforderung richtete, zu warten, bis die Geschichte selbst das Zeichen zum Handeln gibt, antworteten die Kommunisten in der illegal erscheinenden »Roten Fahne«: „Nein, mit solch einer Taktik können wir uns nicht einverstanden erklären. Wir wollen nicht (...) Beobachter und Registratoren der heranziehenden Wogen am Ufer bleiben und auf gut Wetter warten, sondern durch aktives Eingreifen den Gang der Ereignisse bestimmen. Die scheinbar revolutionäre Auffassung vom baldigen Zusammenbruch des Faschismus, von der Konservierung der Gesinnung bis die Geschichte selbst ruft, ist praktisch nur eine Erscheinungsform des Reformismus.“ Und ein Jahr nach der Annexion umreißt eine Zusammenstellung der Entwicklung in Österreich die Notwendigkeit des Widerstandes: „Solange Österreich selbstständig war, lebte es mit allen kleinen Nachbarvölkern in Frieden. Seit in Österreich der ’deutsche Friede‘ eingezogen ist, seit Österreich die ’Ostmark‘ des deutschen Reiches bildet, ist es Aufmarschzone gegen Tschechen und Slowaken, gegen Ungarn und Serben, gegen Kroaten und Schweizer. Der Verlust der Unabhängigkeit – das ist auch der Verlust des Rechtes eines Volkes, selbst über Krieg und Frieden, selbst über seine Beziehungen zu den Nachbarn zu entscheiden. Das ist das Schicksal Österreichs unter der preußischen Fremdherrschaft: heute Gut und Lebenskraft des Volkes zu opfern für Hitlers Kriegsvorbereitungen, morgen – in einer vielleicht nahen Zukunft – Blut und Leben des Volkes zu opfern für Hitlers Krieg. Nicht zuletzt darum wird die Fremdherrschaft in Österreich abgelehnt und gehasst, weil mit Hitler die Kriegsrüstung und der Krieg ins Land kamen.“
Während die Revolutionären Sozialisten (RS) zwischen 1934 und 1938 einen organisierten Widerstand leisteten, gaben sie diesen nach der Annexion auf. Die RS-Führung zweifelte an einer sinnvollen politischen Tätigkeit und strebte schon vor dem März 1938 eine Auflösung an. Ohne Organisation blieben auch die letzten Reste des sozialdemokratischen Widerstandes nur punktuell. Infolge des Fehlens politisch-ideologischer Zielsetzungen mangelte es an jenem Kristallisationspunkt, an dem sich Motivation und Perspektive hätten aufbauen können. Im Gegensatz dazu führten die Kommunisten sowohl vor als auch nach 1938 einen organisierten, das Ziel der Wiedererrichtung eines freien, unabhängigen Österreich anstrebenden Widerstandskampf. Dazu gab es keine Alternative – weder prinzipiell noch für die Art und Weise des Kampfes. (...)
Den Kommunisten werden immer wieder, auch in historischen Abhandlungen, Vorwürfe gemacht, dass ihr Widerstand zahlreichen Menschen das Leben gekostet hat. Man wirft ihnen vor, dass die Versuche, diesen Widerstand zu organisieren, ihn zu leiten (manche meinen, dass es ein Fehler war, illegale Materialien herzustellen und zu verbreiten), Ursache dieser vielen Opfer war. Man ging sogar so weit, ihnen überhaupt ihren Widerstandskampf vorzuwerfen, weil dieser Opfer forderte. Jene, die scheinbar den Widerstand anerkennen – nur nicht in dieser, von den Kommunisten geleisteten Form –, vergessen dabei ganz, dass in der Geschichte des Klassenkampfes, im Kampf der versklavten, unterdrückten und ausgebeuteten Klassen, immer die physische Vernichtung als Mittel gegen die Revoltierenden eingesetzt wurde. Wenn ein Politiker, wie Bruno Kreisky schrieb, „dass es nützlicher und wichtiger ist, statt für eine Idee zu sterben, für sie zu leben“, so zeigt dies nicht nur die Ferne zu den Realitäten des Klassenkampfes, sondern führt auch zu der Frage nach dem Verbleib der Solidarität. Nichts vermag die Unrichtigkeit dieser Gedanken drastischer zu beleuchten, als die Tatsache, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Aussage Kreiskys die Putschisten unter Pinochet seinen chilenischen Parteifreund und Regierungschef Salvador Allende im Kampf erschossen hatten. Dieser war auch im Alter dem Ideal des Sozialismus treu geblieben. Zu unterstellen, die kommunistischen WiderstandskämpferInnen hätten auf das Sterben unter dem Beil der Nazihenker orientiert, verfälscht die Motivation ihres Kampfes gegen den Faschismus. Die KommunistInnen wollten leben und überleben, in Freiheit und Solidarität mit allen vom Hitlerfaschismus verfolgten Menschen und Völkern, was freilich nur im Kampf und nicht bloß in der fürsorglichen Pflege einer Idee möglich sein konnte. (...)
Ob es sich um einen Kommunisten oder um einen Geistlichen gehandelt hat, sie lebten und handelten für eine Idee, und ihre Gegner verfolgten und ermordeten sie deswegen. Von einem geradezu erschütternden Zynismus zeugt der Rat, man hätte besser getan, die Befreiung durch die Alliierten abzuwarten. Es beweist ja nicht zuletzt der Krieg, in dem die Sowjetunion, an der Spitze der Anti-Hitler-Koalition stehend, an die 27 Millionen Opfer zu beklagen hatte, dass es zum Kampf gegen den Hitlerfaschismus keine lebensschonende Alternative gab. Die wechselnden Formen des Widerstandes geben Zeugnis dafür, wie sehr die KPÖ die sich verändernden Kampfbedingungen berücksichtigte und sich darauf im Kampf einstellte. Die Widerstandskämpfer waren keine Selbstmörder. Es ist müßig, in der Hinterdreinsicht fehlerhaftes Verhalten, zu spätes Reagieren auf Veränderungen usw. zur Qualifizierung des Widerstandes heranzuziehen. Wo dies geschieht, wird entweder der gesamte Widerstand oder aber in erster Linie der herausragende Anteil der Kommunisten daran geschmälert oder diskreditiert. Tatsache bleibt, dass der organisierte Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu vier Fünfteln von den KommunistInnen getragen wurde. Die österreichischen KommunistInnen waren das Rückgrat des Widerstandes. Sie trugen dazu bei, den Forderungen der Alliierten in der Moskauer Deklaration (1943), in welcher der Widerstand als wichtiger Faktor für die Nachkriegsgestaltung Österreichs bezeichnet wurde, gerecht zu werden. Die KPÖ bemühte sich, den illegalen Kampf zu organisieren, ihn zu einem nationalen Freiheitskampf zu machen. Ihre Betrebungen den Widerstand über die eigenen Reihen hinauszutragen, um ihn mit anderen weltanschaulichen Gruppen auf eine breitere Basis zu stellen, war nur zum Teil erfolgreich. Dort, wo dies gelang, zum Beispiel in den Konzentrationslagern, aber auch im österreichischen Widerstand, zeigte sich für die anderen, mit welchem Einsatz die österreichischen KommunistInnen den Kampf für ein freies, unabhängiges Österreich führten. (...)
Der Widerstandskampf der KommunistInnen war nicht nur Resultat ihrer Fähigkeit, mit Hilfe der dialektisch-materialistischen Methode geschichtliche Vorgänge und Zusammenhänge zu erkennen und zu analysieren (es ist geschichtlich bewiesen, dass sie damit in Übereinstimmung mit den Gesetzmäßigkeiten dieser Epoche handelten), sondern auch Ausdruck der moralischen Pflicht, des humanistischen Auftrags, abgeleitet aus dem Recht auf Widerstand, das bereits im 19. Jahrhundert vom bürgerlichen Juristen Rudolf Ihering als Pflicht definiert wurde.


