Texas Kabul - Frauen gegen Krieg
Filmabend bei freiem Eintritt!Samstag, 22. Januar 2005, Einlass 18:30, Beginn 19:00; Universitätscampus, Hof 2, Hörsaalzentrum, HS C1
Texas Kabul - Frauen gegen Krieg, Regie: Helga Reidemeister
Texas Kabul ist ein politisches Roadmovie und das Portrait von vier starken Frauen: Auf ihrer Reise trifft die Regisseurin: In Indien die berühmte Schriftstellerin und politische Aktivistin Arundhati Roy; in Serbien Stascha Zajovic von den Frauen in Schwarz; in Afghanistan Jamila Mujahed, die Herausgeberin der einzigen Frauenzeitschrift des Landes; in den USA die Jura-Professorin Sissy Farenthold, die bereits seit dem Vietnamkrieg radikale Kriegsgegnerin ist.
Arundhati Roy schreckt nicht vor dem Begriff "Faschismus" zurück, wenn sie die Entwicklung der politischen Lage in ihrem Land beschreibt, in dem Land, welches sie so liebt und dem sie ihr Leben gewidmet hat. Indien ist ein Land mit einer unglaublichen kulturellen Vielfalt und ethnischem Reichtum. Es ist aber auch ein Land der verloren gegangenen Hoffnungen, in dem der Neoliberalismus dazu führte, dass sich die Ärmsten der Armen gegenseitig bekriegen.
Auf den Straßen von New Delhi trifft man Kinder, muslimische Flüchtlinge aus Assam und Bangladesh, die den ganzen Tag über Müll sammeln, um zu überleben. In den Gesichtern der Kinder, die nichts besitzen und schon morgens von den Straßen der Hauptstadt vertrieben werden, sieht man trotz allem Lebensfreude und Hoffnung.
Stascha Zajovic ist die Frau, die in Belgrad während der Milosevic-Regierung die Gruppe "Frauen in Schwarz" gründete. Die Regisseurin trifft sie in einem historischen Moment. "Frauen in Schwarz" aus Belgrad und Frauen aus der bosnischen Stadt Srebrenica protestieren am 11. September 2002 gegen Krieg und Vertreibung. Die Frauen, deren Nationen sich bis gestern auf brutalste Weise bekämpft haben, stehen gemeinsam auf dem Marktplatz in Sarajevo und rufen zur Versöhnung auf.
In der Nähe von Belgrad findet die Regisseurin ein Flüchtlingslager, in dem serbische Flüchtlinge aus dem Kosovo ein provisorisches Leben fristen, Opfer des Krieges, der durch die Nato-Intervention im Frühling 1999 eskalierte. Sie trifft Menschen, die von allen vergessen wurden, von der internationalen Gemeinschaft und auch von den lokalen Behörden. Sie trifft Bäuerinnen und Bauern, die von ihrem Land vertrieben wurden und jetzt entwurzelt vor einer vollkommen unsicheren Zukunft stehen.
Kabul ist eine Stadt, die heute nur aus Ruinen besteht. Über den Horror der vergangenen Jahre, über die Greueltaten, zu dem ein Mensch fähig ist, berichtet die 45jährige Jamila Mujahed, Herausgeberin von "Malalai", der einzigen Frauenzeitschrift in Afghanistan. Während der sowjetischen Besatzung arbeitete sie als Nachrichtensprecherin beim Fernsehen und durchlitt die folgenden Kriege in Kabul mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern. Ihre Worte sind eine Mischung aus Ängsten und Hoffnung. Auf der einen Seite gibt sie - trotz allen Drohungen - ihre Frauenzeitschrift weiter heraus, auf der anderen Seite konstatiert sie bitter, dass sich die Lage der Frauen in Afghanistan nicht geändert hat.
Kabul ist eine Geisterstadt, die an die Science-Fiction-Visionen eines Paul Auster erinnert. Während aus dem Kabuler Stadion Geräusche von einer militärischen Massenveranstaltung hallen, sieht man in der Ruine einer Grundschule Kinder, die die Sprache der neuen Herren lernen. Ein junges Mädchen deklamiert stolz: "Time is money, money is power, power is life".
Die Amerikanerin Sissy Farenthold, ist die Gesprächspartnerin der Regisseurin in Houston, der letzten Station der Reise. Sissy Farenthold ist eine 76jährige ehemalige Jura-Professorin und Politikerin, die ihre Karriere nach dem Vietnamkrieg abbrach, um sich für Menschenrechte zu engagieren. Ihre klaren Sätze werfen Licht auf die Hintergründe der US-Politik. Sie durchleuchtet das Netz der verschiedenen Interessen von Militär, Industrie und Politik. "In einer Sache bin ich sicher", sagt Sissy Farenthold, "ich gebe den Kampf nicht auf".
In New York ist die Regisseurin mit einem Amerika konfrontiert, das sie nicht kennt. Mit der Militarisierung des alltäglichen Lebens und des städtischen Raumes. Auf dem Times Square wirbt die Navy-Big-Band Soldaten an.
"Texas-Kabul" ist ein Film, der aus Unruhe entstanden ist, Unruhe provoziert und zum Handeln auffordert.
Eintritt frei!
Eine Veranstaltung des Kulturverein Kanafani mit freundlicher Unterstützung der Österreichischen HochschülerInnenschaft - Uni Wien.






