Frauen in der KPÖ: Elfriede Grundböck
Beitrag von: Anonymous
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Freie Welt nennen die Antikommunisten aller Schattierungen die kapitalistische Welt
Friedl Pölzl, so war ihr Mädchenname, arbeitete nach Absolvierung einer Wirtschaftsschule nach 1940 als kaufmännische Angestellte in der Direktion des E-Werkes in Wien. Es war Krieg, ihr älterer Bruder war als Soldat an der Ostfront und litt unter den Erlebnissen. >>>
In dieser Zeit fanden sich ehemalige KJVler wieder zusammen, die bereits vor 1938 in der Illegalität Kontakt zueinander hatten. Friedl und ihr Bruder Toni gehörten dazu. Gleich nach Kriegsende besuchte sie die Erziehungsbildungsanstalt der Gemeinde Wien und maturierte 1949. In dieser Zeit heiratete sie Genossen Othmar Strobel, der, aus der Emigration zurückgekehrt, Vizepräsident der Wiener Polizei war. Sie selbst trat 1945 der Kommunistischen Partei bei und war in der Folge in der Jugendorganisation Junge Garde, später in der FÖJ tätig, deren Bundesleitung sie angehörte und in der sie Bildungsverantwortliche und als Mitglied des Sekretariats für Kultur und Mädelarbeit verantwortlich war.
Die damals von der KPÖ-Kulturabteilung initiierten Volkstanzgruppentreffen in Wien wurden von ihr organisiert. 1952 leitete sie den österr. Kunstgruppenverein, der die Dachorganisation aller Kulturgruppen der USIA-Betriebe darstellte.
Später wechselte sie ihr Betätigungsfeld und wurde Sekretärin der kommunistischen Gemeinderatsfraktion in Wien, arbeitete im Mieterschutzverband und war durch 20 Jahre Bezirksrätin der KPÖ in Floridsdorf, wo sie Motor zahlreicher Aktionen (darunter höchst erfolgreicher Mieteraktivitäten in den Neubausiedlungen des Bezirks) war.
Genosse Othmar Strobl verstarb und Friedl heiratete dann 1961 Genossen Walter Grundböck, der als Betriebsrat bei den Eisenbahnern politisch aktiv war. In den 70er-Jahren war Friedl Sekretärin des Österreichischen Friedensrates und brachte durch ihre engagierte, temperamentvolle, doch bescheidene Art neuen Schwung und animierte viele junge Menschen zur Mitarbeit. Von 1969-1976 war sie Mitglied der Wiener Stadtleitung; 1963 bis 1966 Bundesvorstandsmitglied d. österr. Mieterschutzverbandes; 1964-1983 Bezirksrätin der KPÖ in Floridsdorf. Als Gemeinderatskandidatin der KPÖ setzte sie sich vor allem für die Interessen der berufstätigen Frau ein, wie auch einige Artikeln in der »Volksstimme« und in anderen Publikationen zeigen.
Als im Oktober 1967 beginnt in den Parteiorganen die schriftliche Diskussion zur Frage "Demokratie und Sozialismus" begann, schreibt auch sie einen Beitrag, indem unter anderem zu lesen war: "Freie Welt nennen die Antikommunisten aller Schattierungen die kapitalistische Welt. Der Sozialismus tötet die Freiheit, ist ihr Lieblingsargument. Es ist daher notwendig, dass wir Kommunisten uns immer wieder mit der Frage der Freiheit auseinander setzen ....Es gibt allerdings in unserer Partei Erscheinungen, die den Eindruck erwecken, dass die bürgerliche Ideologie mehr Einfluss unter Parteimitgliedern gewinnt, als wir im Stande sind, kommunistische Ideen in der Arbeiterschaft zu verbreiten."
Friedl geht auf die, auch von Ernst Fischer unterzeichnete Protestresolution ein, die gegen die Verurteilung von Ginsburg in der UdSSR Stellung bezieht und im Forum des Günther Nenning veröffentlicht wurde. Hier knüpft sie einen Zusammenhang mit einer Passage des zur Diskussion gestellten Papiers, in dem es hieß: "Die bestehenden demokratischen Errungenschaften ... bleiben unangetastet: die Meinungsfreiheit." Es ist zwar, so Friedl Grundböck weiter, dann die Rede von der "Ausschaltung des kapitalistischen Missbrauches der demokratischen Errungenschaften" doch zugleich wird vorgeschlagen, "oppositionelle Parteien die gegen die sozialistische Orientierung sind", zuzulassen. Wenn man sie zulässt, so folgert Grundböck messerscharf, muss man aber auch die antisozialistische Propaganda zulassen. Mit Recht verweist sie auf die Dokumente des 19. Parteitags, in denen es hieß: "Die Bereitschaft der arbeitenden Menschen, die Orientierung auf den friedlichen Weg zum Sozialismus zu akzeptieren, hängt weit gehend von der Überzeugung ab, dass die sozialistische Revolution zu den bestehenden demokratischen Freiheiten und Errungenschaften neue für sie hinzufügt ..."
Sie war sich sicher, dass die schrankenlose Meinungsfreiheit für die "Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus eine gefährliche Illusion für jene ist, die den Sozialismus wirklich wollen und diese Forderung macht uns gegenüber jenen, die wir erst für den Sozialismus gewinnen müssen, um nichts glaubwürdiger." (»Volksstimme«, 8.5.1968)
In den Auseinandersetzungen in der Partei in den 90er Jahren war sie als Marxistin-Leninistin engagiert und argumentierte gegen die Abwendung der Parteiführungen vom Wissenschaftlichen Kommunismus. Sie unterstützte die »nVs«, war mit Mitarbeit und Kritik eine große Hilfe. Friedl war eine temperamentvolle, emanzipierte Genossin, nie opportunistisch - damit hatten manche Schwierigkeiten, gerade in Krisenzeiten der Kommunistischen Bewegung - und eine liebevolle Gefährtin und Freundin. Ihr Kampfgeist, ihre Kraft, ihr Wissensdurst, die Verarbeitung ihrer Erkenntnisse des Marxismusleninismus in der praktischen Tätigkeit, ihre Lebenslust, ihre Bereitschaft sich mit allen Fragen auseinander zu setzen, ihre Konsequenz in der politischen Haltung rissen oft auch andere Menschen aus der Gefahr der Resignation. Sie gab anderen Mut. Sie war Kommunistin.


